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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
70
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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU

von verläßlichen Gewährsmännern berichtet wird, bei einem Einfalleder Feinde gefangen und beinahe entehrt. Diese hat in der Tat vonwunderschönem Antlitz in der höchsten Not durch Geist, Tugend undSeelengröße ihre Keuschheit fromm und unbefleckt behütet; denn mitvielen Worten besänftigte sie das Drängen des Siegers Ceric 86 und hieltseine Brunst im Zaume. Sie verhieß, wenn er sie unversehrt bewahre,zum Entgelt, durch eine Zaubersalbe zu bewirken, daß er von keinerKriegswaffe gefällt werden könne. Die Rede des edelgeborenen und sitt-samen Mädchens und die der Zauberei so sehr ergebene Gegend forderteVertrauen. Er stellte Wachen auf, bis die edle Jungfrau allerlei Wurzelngesammelt hätte, und wartete mit Beklemmung auf den Ausgang derSache. Dann sucht sie hohen Mutes den Krieger auf und verspricht, nichtdurch Gewäsch, sondern durch Gewächs 87 die Probe bestehen zu wollen.Darauf bietet sie, nachdem sie ihren Hals mit dem Safte gesalbt, dieKehle dar. Ceric aber, als ob er in Sicherheit wagen könne, schlägt mitdem Schwerte das Haupt ab und bewundert ein Zeugnis keuschestenSinnes. Wozu mehr ? Weder Beispiele noch Ermahnungen werden fehlen,wenn die Frauen nur sein möchten, wie sie sein sollen. Und damit wirnicht weiter verschieben, was wir am sorgfältigsten zu besorgen haben,machen wir diesem ein Ende.

VIII VON DER PFLEGE DES HAUSWESENS,VON DEN KNECHTEN UND DIENERN

NUNMEHR ÜBER DIE BESORGUNG DES HAUSES MICHhören zu lassen, fordert die Zeit und die Stelle selbst. Möge man hier-über nur das wenige erwarten, was wir uns unter allem als weitaus Nütz-lichstes mitten aus der Erfahrung entnommen haben. Was aber von Ge-lehrten 88 geschrieben worden ist, werde ich keineswegs in diesen ldeinenund engen Raum einschließen, da nicht alles zur gegenwärtigen Unter-suchung gehört und dann ein jeder es aus den Büchern jener Männerersehen kann. Es wird genügen, wenn von vielem das, was notwendigist und sich möglichst kurz und leicht umgreifen läßt, in diesen unserenkurzen Aufzeichnungen nicht übergangen ist. Es dünkt uns also die ge-samte Pflege des Hauswesens vornehmlich mit dem Hausrat, den