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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
69
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VII VON DER REGELUNG DES BEILAGERS

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anderen gleich und dieselbe. Das läßt sich mit Recht zu Ehebrechernsagen, doch Ehefrauen sollen sich, mag das Licht auch weit wegge-nommen sein, keineswegs gemeinen Frauenzimmern gleichmachen 79 .Was ? Verbietet nicht gar Hesiod , überhaupt sich nachts zu entblößen,da, wie er sagt, den unsterblichen Göttern auch die Nächte gehören 80 ?Keine Tageszeit darf eben der Pflichten bar sein, und kann auch der Kör-per nicht gesehen werden, so sollen die Frauen doch allüberall die Schamwahren, auf daß auch in der Finsternis jede dem Gatten nach Gebührgesittet erscheine. Darum hat Kaiser Commodus 81 , als ihn seine Ge-mahlin zu ungewöhnlicher und verwerflicher Wollust zu überredensuchte, ausgezeichnet geantwortet: Wie weit man anderen Weibern indiesen Dingen willfahren darf, mögen sie selbst zusehen; doch gewiß ist«Gattin» ein Name der Würde, nicht der Wollust. Deswegen stieß derCensor Cato den Manilius aus dem Senate, weil er in Gegenwart derTochter die Gattin abgeküßt hatte 82 . Ist es nun schon schimpflich, inGegenwart der Angehörigen die Gattin zu küssen, oder verhebt zu um-armen, wieviel mehr ist es recht, daß den Augen des Mannes, dem dieFrau vor allem gefallen soll, nichts Unmäßiges, nichts Schamloses ge-boten werde. Hieron belegte den Komödiendichter Epicharm mit einerschweren Geldbuße, weil er in Gegenwart seiner Gemahlin etwas Un-anständiges vorgetragen hatte 83 . Denn zur Würde der Ehe gehört solcheVerehrung, daß fremden Augen und Ohren kein Zugang offen stehendarf. Schön hat dies die Zurückhaltung der Athener bewiesen, als sie ab-gefangene Briefe des Philippus, die er an Olympias geschrieben hatte,unverletzt zurückgaben, hielten sie doch die Geheimnisse seiner eigenenGemahlin zu hoch, als daß daran Fremde, nicht einmal Feinde, teilhabendürften 84 .

Billig ist es also, daß die Frauen dieser Sache stets Sorge und Nachdenkenwidmen; davon sollen sie Lob, davon Triumphe, davon Kranzgold 85 er-warten; nichts sei dermaßen lustvoll und ergötzlich, daß es sie je von derPflicht keuscher Gesinnung abrufe. Während sie hier viele der be-rühmtesten Frauen nachahmen können, weiß ich doch nicht, ob Brasilia nicht zu den allerersten gehört, deren zu dieser Zeit geschehene außer-ordentliche Tat nicht mit Stillschweigen übergangen werden darf. Siewar nämlich in Durazzo von vornehmen Eltern geboren und wurde, wie