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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU

Lebensweise, wie ein zartes Küchlein der Mutter. Und das läßt sich ausvielen Gründen und Beispielen ersehen. Wir können an dieser Stellenicht bequemer und für den Sinn unseres Gesprächs weiser den Anfangnehmen, als von der Natur selbst, um das, was wir selbst denken, aufskürzeste abzuschließen.

Und zuvörderst: Da die Vereinigung von Frau und Mann (wie wir obengesagt haben) vornehmlich um der Kinder willen erfunden ist und geübtwerden muß, so soll ein Beilager hauptsächlich in der Hoffnung aufNachkommenschaft stattfinden. Bei den meisten Tieren erkennen undsehen wir hinreichend, was die Natur will. Sie hat ihnen aus dem Grundebestimmte Gesetze der Begattung vorgeschrieben, daß der sterblicheSame der Lebewesen durch ununterbrochene Nachfolge gewissermaßenunsterblich gemacht werde 75 ; hierin dienen sie uns, denen ein freierer undedlerer Drang gegeben ist, zum Beispiel, daß wir nicht um der Wollust,sondern um der Erzeugung des Nachwuchses willen den Beischlaf voll-ziehen. Deshalb mahnen wir, um der Julia, des Augustus Tochter, Wortezu gebrauchen, sie sollen nicht bei vollem Schiff einen Fahrer aufnehmenund nicht das Vieh vorzüglich deshalb für viehisch halten, weil es inSchwangerschaft niemals, immer nur der Erzeugung willen zur Be-gattung reizt 753 . Wenn es aber beliebt, diese Grenzen zu überschreiten 76 ,so mögen sie sich wenigstens soweit zurückhalten, daß sie in dem Gebietder Mäßigung, von dem die Schamhaftigkeit ihren Namen hat, scham-haft sein und heißen wollen. Hierzu, glauben wir, kann vor allem bei-tragen, wenn die Gatten sie von Anfang an so gewöhnen, daß sie sichnicht als Helfer der Lust, sondern der Notwendigkeit zu erweisenscheinen 77 . Sie selber aber sollen so die eheliche Haltung und Sittsam-keit bekunden, daß im Beilager selbst Liebe sowohl wie Lieblichkeit zu-gegen seien, auf daß sie nicht als gierig und schamlos, da sie ihre Würdeaufgeben, dem Gatten schweige er auch dazu minder erfreulich sind.Bei Herodot steht geschrieben, zugleich mit dem Untergewande ziehedas Weib die Scham aus 78 . Wenn es sich um Hurenjäger handelt, so ge-stehen wir das ohne weiteres zu, bei ihren Männern aber werden sie,wenn sie auf uns hören wollen, stets das Ziemliche wahren. Als eineFrau von Philipp aus wütender Wollust mit Gewalt fortgezogen wurde,sagte sie: Laß mich, wenn du das Licht fortnimmst, ist jedes Weib allen