Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU

nahezu nichts nützen (wie der alte Crates zu sagen pflegte), wenn nichtauf die Erziehung und Sittigung der Kinder, denen es hinterlassen wird,Eifer und vorzügliche Mühe gewandt würde 109 . Auch werden dadurchden Eltern, denen sie alles schulden, die Kinder besonders verbunden;sie würden notwendig von denen verlassen und preisgegeben scheinen,wenn nicht nach der Geburt der Dienst des Nährens und des Belehrenshinzutritt; und nicht mit Unrecht. Wenn wir nämlich den Urhebernunseres Lebens, das unter Führung der Natur alle Sterblichen erstrebenund auf jede Art schützen, schon alles schuldig sind, was sollen wir ersttun, wenn dazu noch den adlig Erzogenen Unterweisung zu gesitteterLebenshaltung gespendet wird ? Hierbei wirst du finden, wenn du allesin Sinn und Gedanken musterst, daß den Müttern, sind sie der Naturselbst nicht untreu geworden, die Aufgabe der Erziehung so zukommt,daß sie sich ohne Verletzung vieler Pflichten nicht entziehen können.Denn allenthalben bekundet die Natur hingebende Liebe zu ihren Ge-burten, die sie unter keinen Umständen verläßt 110 . Um dies deutlicherdarzutun, würde ich jetzt von der Erzeugung der Kinder, bevor sie ansLicht treten, sprechen, mangelte nicht die Zeit zu weiterer Abschweifungund hätte nicht die Natur selbst diese Teile so verdeckt und verborgenuntergebracht, daß das, was nach ihrem Willen ohne Schimpf nicht zubetrachten ist, auch von uns kaum mit Würde auszusprechen wäre 111 .Was jedoch nicht übergangen werden kann, werden wir darlegen. JenesBlut, von dem sich die Frauen zu anderer Zeit in monatlichem Ergußreinigen, wird zu dieser Zeit vorzugsweise auf Geheiß der Natur zurück-gehalten, so daß davon gleichsam getränkt die Frucht warmgehaltenwird, bis sie zur vorbestimmten Monatszahl gekommen ist. Dann batdie Natur allen Lebewesen, welche gebären, sobald die Frucht ans Lichtgetreten ist, den Nährstoff der Milch verliehen und die Mutterbrüste ge-schaffen, gleich wie quillende Brunnen, damit der Säugling, aus ihnengetränkt, allmählich an Gliedern wächst und regsamer wird. Auch gibtsie gewissermaßen kund, zwei Brüste deshalb gewährt zu haben, daß dieFrauen, wenn sie Zwülinge gebären, bereit haben, woraus sie beide zu-gleich nähren und speisen können 112 . Wenn sich durch höchste Vor-sehung dies auch so verhält, so würde es doch offenbar vergeblich ge-schehen sein, hätte ihnen die Natur nicht eine unglaubliche Liebe und