Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
82
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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU

Dies alles möchte vielleicht von mir vorgetragen etwas zu ungeschickterscheinen, nur daß es in deiner Heirat ganz zu erkennen ist. So wirdfürwahr die Jugend, die sich nach dir richtet, mehr gewinnen, als wennsie sich allein bei meiner Schrift beruhigen wollte. Denn wie Gesetzeden höchsten Nutzen der Bürgerschaft bringen, wenn sie erkennt, daßder beste Fürst ihnen gehorcht, so geben wir die Hoffnung nicht auf, derJugend einen Nutzen zu bringen, wenn zu meiner Unterweisung der Fugdeiner Ehe hinzutritt.

Damit aber die Rede, wo sie begann, in dir, Lorenzo,ihr Ende finde: Hierhast du nun an Stelle eines Geschenkes mein Urteil über die Ehe. Wasvon mir darin gesagt wurde, nicht wie ich anfangs erwähnteum dich zumahnen, sondern um unsere Zuneigung zum Ausdruck zu bringen, wird,vertraue ich, von vielen wohl aufgenommen werden, von dir aber (indessen Namen ich diese Arbeit unternommen habe) weiß ich es gewiß.Wenn dir vielleicht in diesen unseren Blättchen etwas irgend ernst undgelehrt Geschriebenes beim Lesen begegnet, so magst du es dem in jederArt Ruhm vollkommenen Manne Zacharias Trevisano denn gernnehme ich seinen Namen in Anspruch und den griechischen Schriftenzuschreiben, aus denen ich einiges, was sich auf diesen Gegenstand bezog,nach meiner Absicht zusammengestellt und erörtert habe. Habe ich michauch kaum einige Monate mit ihnen beschäftigt, so scheint mir doch, alssammele ich schon üppige und süße Früchte. Soviel vermochte der Geistund der Eifer des trefflichsten und hochgelehrten Guarino Veronese , dermir als Lehrer und einziger Freund vertrautesten Verkehr gewährt, seit-dem er auch mir mit vielen unserer Vornehmsten zusammen Führer ist,um den Weg zur Menschenbildung anzuheben und zu beschreiten undso Führer ist, daß durch sein Werk diese göttlichen Wissenschaften,denen ich von Kind auf geweiht bin, mir bei weitem fruchtbarer undHeber geworden sind. So nimm denn diese Hochzeitskette um michso auszudrücken hier zu deiner Vermählung freundlich entgegen. Duwirst sie, weiß ich, hoch werten, weil sie von der Art ist, daß sie nichtwie anderes durch Gebrauch zerbrochen und zerrieben werden kann,oder auch weil sie aus bester Treue und sicherlich aus dir ergebenstemSinne hervorgeht.