IX VON DER ERZIEHUNG DER KINDER
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scheut auseinandersetzen wollen 127 . Hübsch war darum jenes Wort desCato, als er noch ein Jüngling war und man seine Schweigsamkeittadelte: Das wird mich so lange gewiß nicht beschweren, bis ich das ge-lernt habe, was Schweigsamkeit nicht mehr verdient 128 . Wenn die Kinderrecht viel dieser Art, sobald es ihr Alter erlaubt, von den Müttern selbstvernehmen, werden sie besser und bälder zu Ernst und Zucht ihrerEltern hinübergeleitet werden.
Es gibt außerdem noch vieles, was ich, da es eher Sache der Väter ist,jetzt im Augenblick übergehe, und das um so mehr, weil ich einige zusehen glaube, die diese unsere Eheunterweisung unermeßlich und endlosnennen möchten, so daß ihr kaum die Väter unserer Zeit genügenkönnen. Diesen wüßte ich selbst etwas Richtigeres nicht zu entgegnen:Allerdings war es nicht unser Vorsatz, zu beschreiben, was geschieht,sondern zu zeigen, was geschehen sollte. Wer ist ein so unbilliger Rich-ter, daß er nicht, wenn er wie du aus gerechtester Ursache die Heirat gutbefunden und bei der Wahl der Gattin nach Sitten, Alter, Abkunft,Schönheit und Reichtum eine der ersten Frauen erlangt hat, eine, dievoll Liebe zu ihrem Mann, die bescheiden und im Hauswesen völligerfahren ist . . . wer, sage ich, denkt da so übel von den Dingen, daß erselbst nicht das Allerhöchste erhoffen dürfte und daß Frauen dieserArtung nicht das Allergrößte leisten sollten ? Dir also, mein Lorenzo, andessen Vorbild sie sich entzünden müssen, dir mögen deine Alters-genossen mit großem Eifer nachfolgen, der du Ginevra, diese an Tugend,Liebreiz, edelster Familie und Vermögen 129 in jedem Betracht blühendsteJungfrau, zur Gattin erwählt hast. Welch leuchtenderes Beispiel, welchwürdigeres kann ich aufstellen als das deine, der du in Italiens hoch-berühmter Stadt Florenz, der Würdigste durch deinen Vater, deinenGroßvater und deine Ahnen, die vortrefflichsten Männer, dir zur Gattin diegenommen hast, deren Glücksums tände alle Welt, deren Sittsamkeit,Treueund Klugheit alle Besten so hoch schätzen und bewundern, daß sie jene,weil duihr Gatte, und dich um solcher Gattin willen für gesegnet und glück-lich halten und die, da euch vortrefflichste und angesehenste Ehegemein-schaft zuteil wurde, nun Gott den Unsterblichen bitten, daß ihr euch diebesten Kinder, dem Staate die ehrenreichsten Bürger erzeugen möget ?
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