Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
80
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VON DER PFLICHT DER EHEFRAU

muß nicht geringen Lobes würdig erachtet werden. Diese erlernte schonälter an Jahren die Schriften, die Denkmale von Tugend und Zucht, da-mit es heißen sollte, sie sei ihren Söhnen nicht nur Spenderin des Lebensgewesen, sondern habe ihnen auch (wie sie es getan hat) reichlicheWürze der Bildung, die Regel guten und glücklichen Lebens gegeben 128 .Auch sollen die Mütter sie oft zurechtweisen, daß sie nicht übermäßiglachen oder Reden mit Frechheit vermengt führen; ist doch das eine einZeichen für Dummheit, das andere für Wüstheit. Zudem sollen sie sichhüten, daß ihnen auch nicht im Reden vertraut sei, was zu tun schändlichist. Bei Schmutz- und Schmähworten sollen sie schelten, und wenn dieKinder etwas zu Liederüches und Unsauberes sagen, sollen sie es nichtmit Scherz oder Kuß, sondern mit dem Riemen erwidern. Immer wiedersollen sie ihnen einschärfen, daß sie nie jemandem Armut, Schmach derVorfahren und anderes Mißgeschick vorwerfen, woraus sie sich schwereFeindschaften zuziehen und die Gewohnheit der Anmaßung einschlürfen.Solche Spiele sollen sie ihnen angeben, wobei sie freiwillig Anstrengungenauf sich nehmen, damit sie, wenn es so trifft, schwerere mit größerer Aus-dauer ertragen. Ich möchte, daß die Mutter vor den Kindern Jähzorn,Habsucht und Begierden, wodurch die Kraft erschlafft, mit Abscheunenne, damit diese von klein auf solche schmählichste Gebieterinnen ver-achten, fliehen und hassen; sie trage auch sehr Sorge, daß sie die heiligenNamen scheuen und vor Lästerung zurückschaudern. Denn wen werdensie herangewachsen nicht verlachen, wenn sie in diesem Alter schon dasGöttliche selber verachten? Soviel kommt darauf an, sich in zartemAlter zu gewöhnen. Sie sind zu ermahnen, sich des Schwörens zu ent-halten. Verdient doch in der Tat keinen Glauben, wer um der gemeinstenSache willen leicht schwört, und wer leicht schwört, der schwört häufig,sei es auch unbedacht, falsch. Man gewöhne sie, wahr zu reden! Dies warden Persern das Vornehmste, und deshalb bestimmten sie, daß es beiihnen keinen Handelsmarkt gebe, weil sie überzeugt waren, daß es einOrt für Lüge, für falsche Rede und Meineid sei. Man lehre sie sowohlsonst, wie besonders beim Mahl ungeheißen nur wenig zu sprechen,damit sie nicht, was jenem Alter vor allem fernbleiben muß, unehr-erbietig und schwatzhaft werden. Es wird nämlich der Zucht hinderlichsein, wenn sie das, worin sie noch nicht genügend erfahren sind, unge-