NACHWORT
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NACHWORT
ZUR ZEIT ALS 1415 IN KONSTANZ DAS KONZIL TAGTE UNDalle berühmten Geister dort versammelt waren, machte das eben er-schienene Buch eines venezianischen Edelmannes großes Aufsehen; dieHandschrift, in der man es erhalten hatte, ging eifrig von Hand zu Hand.Der Verfasser dieses Büchleins: De re uxoria entstammte einer uraltenvenezianischen Patrizierfamilie und hieß Francesco Barbaro . Er war einerder ersten Venezianer, der unter der Anleitung seines Lehrers GuarinoVeronese Griechisch gelernt hatte. Nach Ablauf seiner juristischenund humanistischen Studienjahre in Padua kam er zu kurzem Besuchan die Hochburg des italienischen Humanismus, nach Florenz , und hattesich sogleich mit allen Häuptern dieser Schule angefreundet, am meistenmit der damals langsam zu ihrer Macht emporsteigenden Familie Medici.Seine Altersgenossen waren Cosimo und dessen Bruder Lorenzo (einGroßonkel des später so berühmten Medici gleichen Vornamens). NachVenedig zurückgekehrt begann für ihn eine glückliche Erobererzeit imGeistigen: einen griechischen und römischen Schriftsteller nach demandern machte er sich in fieberhaftem Fleiß zu eigen, und nach wenigenWochen griechischen Studiums war er nicht nur imstande, die plut-archische Biographie des alten Cato ins Lateinische zu übertragen — dasItalienische trat in jener Frist des Humanismus fast ganz in den Hinter-grund — sondern er faßte auch den Plan, als man ihn tadelte, er schriebenichts Eignes, zu der bevorstehenden Heirat seines LieblingsfreundesLorenzo de'Medici etwas über die Ehe auf Grund der neuentdecktenantiken Schriftsteller zu verfassen. Es war die Zeit der aufblühendenAltertumsstudien, der Wiederentdeckung verloren geglaubter zahl-reicher antiker Schriftsteller, und wir bemerken am Schrifttum jenerZeiten, an der Vorliebe für bestimmte Zitate, was gerade neu entdecktwar und im Mittelpunkt der Anteilnahme der Gebildeten stand. Ein