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ANHANG
Menschenalter früher zu Beginn des Humanismus waren es die BriefeCiceros , die Petrarca wiedergefunden hatte. Nur er besaß zunächst eineAbschrift und teilte daraus in Zitaten, die in seine eignen Schriften ein-gestreut waren, den Zeitgenossen mit. Zu Barbaros Zeiten waren esgriechische Schriftsteller, die im Abendland zuerst durch byzantinischeGelehrte, wie Manuel Chrysoloras , bekannt wurden, die als Diplomatenins Abendland gesandt wurden, bald italienische Lernbegierige zu grie-chischem Unterricht um sich sammelten und bei ihrer Rückkehr Schülernach Konstantinopel mit sich nahmen. Neben Homer — Petrarca hatteschon eine Handschrift mit dem Urtext besessen, aber noch nicht lesenkönnen — war es vor allem Plutarch, der in den Mittelpunkt des Inter-esses der Schule um Guarino Veronese trat. Aber nicht nur die be-rühmten Lebensbeschreibungen Plutarchs treffen wir in Barbaros Ehe-buch häufig zitiert, sondern auch die andere Schriftenreihe: die Moralia ,vorzüglich die hierher gehörenden Abhandlungen über Ehevorschriftenund Kindererziehung. Auf weite Strecken finden wir ein Zitat nach demandern, aus den «conjugalia praecepta»: so ist die Schrift scheinbar un-originell. Aber in des jungen Barbaro lateinischer Übertragung dergriechischen Anekdoten des Plutarch erhält die manchmal fast grämlicheund allzu biedere Moral des Alten eine neue frische Blutzufuhr. Mandarf nämlich nie vergessen und man vergißt es auch bei dem Lesendieser Eheschrift nie, daß der junge Verfasser erst fünfundzwanzig Jahrealt ist, also in dem Lebensjahrsiebt steht, in dem die Gedanken der jungenLeute dauernd um das Erotische kreisen. Als wohlerzogener jungervenezianischer Edelmann tut dies Barbaro in zurückhaltenderer Weiseals die andern jungen Humanisten jener Zeit, die in derb-sinnlichenKomödien in der Art des Terenz ihre Triebe literarisch austobten.Barbaro reiht ohne alle Prüderie die auf Ehe und Geschlechtstrieb bezüg-lichen Vorschriften der Alten aneinander, doch fehlt ein SalzkörnleinSchlüpfrigkeit, das das strenge Leben erst aufheitert, auch bei ihm nicht,wenn er die an den Dekamerone Boccaccios gemahnende Geschichte vondem unbeherrschten jungen Paduaner Philipp, von der er in seiner Uni-versitätsstadt hörte, aufs genaueste berichtet. Aber auch die Einzel-heiten seiner Verwertung Plutarchischer Stellen verraten uns Interes-santes über Charakter und Arbeitsweise des jungen Venezianers. Wer