NACHWORT
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die dieser Übersetzung angefügten Anmerkungen durchblättert, erhälteinen Einblick, wie belesen Francesco Barbaro war und in welcher Weiseer die vielen Zitate aus antiken Schriftstellern verarbeitet und in seinlebensfrisches Werk hineinverwoben hat. Für den, der sich über die Be-deutung dieses Werkes im ganzen wie im einzelnen unterrichten will, seiauf das IV. Kapitel des im Verlage Die Runde, Berlin 1932, erschienenenBuchs des Verfassers: Francesco Barbaro , Frühhumanismus und Staats-kunst in Venedig, verwiesen, das handelt von: De re uxoria, Ideen undliterargeschichtliche Zusammenhänge. Zur Ergänzung dieser Ausführungensei hier nur erwähnt, daß es aus früher Zeit, aus dem XVI. Jahr-hundert, schon eine deutsche Übersetzung des Buches über die Ehegibt, die dem Verfasser früher entgangen war. Jedoch ist diese deutscheFassung im ganzen kein Ruhmesblatt für unser Schrifttum, denn esist aus der feinen höflichen Ausdrucksweise eine derbe sektiererischeSchmähschrift geworden. Übersetzung kann man dies Machwerk nichtnennen, es ist nur eine willkürliche Bearbeitung, in der dauernd auf Luther,Zwingli und die Wiedertäufer Bezug genommen wird. Im Jahre 1513 warin Hagenau im Elsaß der zweite lateinische Druck De re uxoria heraus-gekommen. Drei Jahre darauf erschien: Ein guot buoch von der Eheweiland zu Latin gemacht durch den wolgelerten Franciscum BarbarumRahthern zu Venedig nun aber verdeutscht durch Erasmum AlberumGetruckt zuo Hagnaw durch Valentinum Kobian MDXXXVI. Derprotestantische Pfarrer Alber zu Sprendlingen (Rheinhessen) machte hier(1534) aus De re uxoria eine den Sinn und die Haltung Barbaros arg ver-gewaltigende lutherische Paraphrase und Streitschrift gegen die Katho-liken und widmet es dem: Edlen und Ernvesten Herman Riedesel vonEysenbach meinem lieben Junkern. In der Einleitung freut er sich, daßdie Geisdichen seit Luther wieder heiraten dürfen und nicht in der«Pfaffen Hurnstand» verharren müssen. Das bei den damaligen Pro-testanten übliche Herabsetzen der voranliegenden katholischen Zeitkommt in den Worten zum Ausdruck: Denn zu der Zeit als das Büchleingeschrieben ist, hatt man nit so fein von der Ehe künden reden, wieyetzundt, das machte der Bäpsdiche grewel, der sich alle guote ordenungzu verwüsten bevlissen hat, und den Göttlichen Ehstand für eyn fleysch-lichen, das ist für eyn ungödichen standt ausgeschrien, also das michs