Druckschrift 
Freies Deutschland oder internationale Reparations-Provinz : Reichstagsrede / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
9
Einzelbild herunterladen
 

Hand in diesen Dingen der jetzige Gesandte beim Vatikan , Herrv. Bergen, gewesen ist, dem gewiß niemand antikatholischeNeigungen nachsagen wird.

Aber ich will diese Angelegenheit hier nicht weiter vertiefen,sondern mich zu anderen Fragen wenden, zu Fragen, wie sie aufunserer Tagesordnung stehen und über die wir die Erklärungen derHerren von der politischen Reichsleitung gehört haben. Die Herrenmögen es nicht für ungut nehmen, wenn ich sage: Was wir hier ausihrem Munde vernommen haben, das klingt doch in vielem mehr nacheiner Philosophie desAlS-Ob, als nach realen Tatsachenund praktischer Politik. Es klang nach der Fiktion, als ob dieKrankheit der Zeit, als ob insbesondere die Not unseres Volkesihre Wurzeln hätte in den noch ungelösten, aber bei gutem Willenunsererseits lösbaren wirtschaftlichen und finanziellen Problemen,vor allen Dingen in dem sogenannten Reparationsproblem. InWirklichkeit liegen diese Wurzeln in einem anderen Boden. Sieliegen in den säkularen Eroberungs- und Macht-gel ü st e n der französischen Politik. (Sehr richtig rechts.) Der Herr Außenminister hat ausgeführt: Wenn erst einmal dasVotum der von der Reparationskommission eingesetzten Sach-verftändigenausschüsse vorliegt, dann werde sich entscheiden lassen, obFrankreich Reparationen oder politische und wirtschaftliche Aus-beutung wolle. Nein, Herr Minister, was Frankreich will, dasFrankreich von heute und das Frankreich von vor 100 und dasFrankreich von vor 1000 Iahren, das ist längst entschieden. GehenSie nach der Pfalz und fragen Sie, was die französischen Pfalz-greuel noch irgendwie mit Reparationen zu tun haben. Das sindZerstörungen und Verwüstungen, nie und nimmer aber Reparationenund Wiedergutmachungen. (Lebhafte Zustimmung bei den Deutschnatio-nalen.) Die Franzosen , Herr Poincar6 insbesondere, mögen ein In-teresse daran haben, die wahren Ziele ihrer Politik zu camouflieren,um diesen französischen Ausdruck zu gebrauchen. Der BriefvonHerrn Poincare an Herrn Macdonald zeigt, inwelchem Maße für Frankreich dieses Interesse der Camouflageseiner wahren Ziele gegenüber den eigenen Bundesgenossen besteht.Der Leiter der deutschen Außenpolitik sollte aber jedes Wort ver-meiden, das geeignet ist, diese französische Camouflage zu unterstützen.Denn für uns ist es Pflicht der Selbsterhaltung, der französischen Politik die falsche Maske vom Gesicht zu ziehen. (Sehr richtig! bei

9