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Freies Deutschland oder internationale Reparations-Provinz : Reichstagsrede / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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gläsern, dann Körbe über Körbe mit Töpfen, Eßservicen,allein 24 flache Teller für einen Offizier, (stürmische Rufe:hört! hört!) 4 Waschgarnituren, alles in Hülle und Fülle.Die ganze Küche ist damit vollgestellt. Mit Bettzeug geht esebenso. Du hattest längst nicht so viel bei Deiner Heirat.Wie ist es möglich, daß der Staat das alles bezahlt, wennjeder sich in dieser Weise einrichten darf?Da sehen wir, wo das Geld hingeht, in welcher schändlichen Weisedas Geld verpulvert wird, das das deutsche Volk sich absparen muß.Da darf es mit den Denkschriften allein nicht abgetan sein. Ich weißnicht, wie lange es her ist wohl ein Jahr, daß die letzte unsdarüber vorgelegt worden ist. Wir wollen, daß die lebendigenMenschen, auch die lebendigen Minister, für diesenSkandal die ganze Welt zum Zeugen aufrufen.

Meine Damen und Herren! Meine Freunde sind und warenstets bereit, dem besetzten Gebiet, mit dem wir uns mindestens ebensoverwachsen fühlen wie irgendein anderer, jede nur denkbare und mög-liche Hilfe in seinem heldenhaften Kampfe um die Zugehörigkeit zumReich und zu den Ländern zu gewähren. Darin lassen wir uns vonniemand sonst übertreffen. Wir sind aber der Meinung, daß es keineUnterstützung des Abwehrkampfes gegen LosreißungöbestrebungenFrankreichs ist, wenn die Frage der Besatzungskosten, diese Fragefür Leben und Sterben des ganzen Deutschen Reiches, vertuscht undbeschönigt wird, ja, wenn öffentlich proklamiert wird, daß in bezugauf die Besatzungskosten in der Lage, in der wir uns befinden, wiruns jeder Erpressung fügen müßten. Nein, meine Herren, dasmachen wir nicht mit, denn das ist ein FreibrieffürweitereErpressungen.

Wir wünschen, daß nicht nur über die Art und Weise, wie dortgewüstet wird, sondern daß auch über die Summen, die an Be-satzungskoften von uns herausgeholt werden, dem deutschen Volke undder Welt volle Klarheit gegeben wird.

Deswegen haben wir am ?O. Dezember eine detaillierte Anfragean den Herrn Reichsfinanzminister gestellt, die dieser dankenswerter-weise auch sehr eingehend beantwortet hat. Indessen glauben wir die Antwort ist ja bisher nicht publiziert worden -, daß bei derWichtigkeit der Sache es sich empfehlen würde, die Antwort zu ver-öffentlichen, in einzelnen Punkten ergänzt, und darüber hinaus demReichstag das Material über die Besatzungskosten vorzulegen, das

IL