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Freies Deutschland oder internationale Reparations-Provinz : Reichstagsrede / Karl Helfferich
Entstehung
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nach der Mitteilung des Herr ReichsaußenmmisterS im AuswärtigenAusschuß dem Sachverständigenkomitee gegeben worden ist. Dennder Zustand geht doch wohl nicht länger an, daß internatio-nalen Ausschüssen Auskünfte und Materialien über unserefinanzielle Lage vorgelegt werden, die uns, den Vertretern desdeutschen Volkes, vorenthalten werden. (Lebhafte Zwstimmung.) Es ist unmöglich, ja es ist ein unwürdiger Zustand,daß man als Reichötagsabgeordneter, daß man als Mitglied desHaushaltsausschusses, des Steuerausschusses und des AuswärtigenAusschusses genötigt ist, sich aus Graubüchern und anderen Publika-tionen unserer Kriegsgegner über die wahre finanzielle Lage desdeutschen Volkes orientieren zu müssen. (Hört! hört!)

Aus den uns zugegangenen Aufstellungen über die Besatzungs-kostcn entnehme ich folgende Endresultate: Bis Ende 1922 stelltensich die sogenannten inneren Besatzungskosten, die vonDeutschland neben den Reparationslaften in bar gezahlt werdenmußten, auf 911 Millionen Goldmark. (Hört! hört!) - In demeinen Jahr 192Z, obwohl während des größten Teils dieses Jahresan Frankreich und Belgien Besatzungskosten überhaupt nicht gezahltwurden, sind trotzdem diese inneren Besatzungskosten auf 418 Mil-lionen gestiegen, sie waren also für 192? ungefährdoppeltso hoch, wie im Durchschnitt der vorher-gegangenen Jahre. (Zuruf von den Vereinigten Sozial-dcmokraten.) Ich spreche von den Barzahlungen, die dasDeutsche Reich fürinnere BesatzungSkoften" geleistet hat.Die sogenanntenäußeren BesatzungSkoften", dieIhnen vielleicht vorschweben, die Deutschland auf Reparations-konto belastet werden und die nach dem Versailler Diktatvorweg aus den von Deutschland geleisteten Reparationszahlungenabzudecken sind, haben bis Ende 1922 nicht weniger als?52O Millionen Goldmark betragen (Hört! hört!) -also im Jahresdurchschnitt nahezu 900 Millionen Goldmark. FürI92Z liegen amtliche Ziffern noch nicht vor. Auf die Schätzungendes Reichsfinanzministers, die ich für viel zu niedrig halte, will ichnicht eingehen. Ich stelle nur fest, daß nach den bisherigen Aufgabendie endgültigen Ziffern für die BesatzungSkoften Jahr für Jahrbeträchtlich mehr als eine Milliarde Goldmarkausgemacht haben, ich kann nur immer wiederholen: beträcht-lich mehr, als die gan»en Ausgaben des kaiser-

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