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Freies Deutschland oder internationale Reparations-Provinz : Reichstagsrede / Karl Helfferich
Entstehung
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Betruges durch Herrn Clemenceau im Interesse desSaargebietes und seiner zukünftigen Wiedervereinigung mitDeutschland zu fruktifizieren.

Ich könnte diese Fragen häufen. Ich könnte fragen, was inSachen der Evakuierung des badischen Gebietesvon Kehl, Offenburg und Appenweier geschehenist. Die Franzosen sind dort vor ungefähr einem Jahre eingerücktunter dem unerhört schäbigen Vorwande, daß Deutschland dieSchlafwagenverbindung mit der Tschechoslowakei eingestellt habe.(Hört! hört!) - Soviel ich weiß, ist diese Schlafwagenverbindunglängst wiederhergestellt. Aber die Franzosen denken nicht daran, dieEnklave, die sie sich dort okkupiert haben, wieder zu räumen. M i rist nicht bekannt, welche Schritte die deutscheRegierung in dieser Sache unternommen hat.

Ich könnte weiter fragen, was die Regierung getan hat, um dieebenso widerrechtliche Besetzung der Mannheimer Hafen- und Industrieanlagen rückgängig zu machenoder wenigstens die durch jene widerrechtliche Okkupation bewirkteErdrosselung des Mannheimer Handels undder Mannheimer Industrie zu parieren. Meine Damenund Herren! Ich war jetzt auf dem Deutschen Tag, den die südwest-deutsche Presse in Mannheim veranstaltet hat. Dort hat derPräsident der Mannheimer HandelskammerKlage geführt: Die Herren seien wegen dieser unmöglichen Zuständenach Berlin gereist und beim Auswärtigen Amt vorstellig geworden,hätten aber dort kein Verständnis gefunden; man habe ihnendie Antwort gegeben, Schritte bei Frankreich in dieserAngelegenheit paßten nicht in diegroße Linie"der deutschen Politik. (Hört! hört! bei den Deutsch-nationalen.) Die Herren haben den Eindruck gewonnen, ichwill nicht darüber entscheiden, ob er berechtigt war oder nicht, daßes den Herren vom Auswärtigen Amt lieber wäre, wenn sie sich anden General Tirard nach Koblenz wenden würden. Wenn mansolche Eindrücke aufkommen läßt, dann erreicht man nicht, daß dasbesetzte Gebiet zum deutschen Vaterlande hält. (Abgeordneter KochMeser^: Was würden Sie denn tun?) Ichverlange, daßdieRegierungdesDeutschen Reichesgegenüberden unerhörten Zuständen, wie sie in Mann-heim bestehen, wenigstens dem Handelskammer-

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