Nun frage ich, indem ich zur politischen Reichsleitung zurück-kehre: was hat unsere auswärtige Politik mit allihrer peinlichen Sorgfalt, Anstöße bei Frank-reich zu vermeiden, bisher erreicht?
Die unerhörte Brüskierung des neuernannten deutschen Bot-schafters v. Hoesch durch den Präsidenten der französischen RepublikHerrn Millerand bei seiner Antrittsaudienz.
Die materielle Zurückweisung des Memorandums der deutschenRegierung über die Herstellung eines nioäus vivenäi im Ruhr-gebiet und Rheingebiet .
Die formelle Verweigerung der Annahme der letztenPfalznote.
Die Forderung der Wiederaufnahme der von der deutschen Re-gierung mit Recht für erledigt erklärten Militärkontrolle.
Der eklatante Bruch des Versprechens, nach der Aufgabe despassiven Widerstandes die Ruhrbesetzung zu vermindern und „un-sichtbar" zu machen.
Die Erdrosselung unserer gesamten westlichen Industrie durchdie schamlos erpreßten Micum-Verträge.
Das alles hat man hingenommen, hinge-nommen in dem sicheren Bewußtsein, daß esso nicht weitergehen kann.
Sie fragen uns immer: Was dann? Hier frage ich Sie: Wassoll werden? (Zuruf bei den Deutschen Demokraten: Das ist auchbequemer!) - Der Herr ReichSaußenminifter selbst hat erklärt, daßdie Weiterzahlung der BesatzungSkoften „zeitlich eng begrenzt" sei.Der Herr ReichSaußenminifter hat erklärt, daß die am 15. Aprilablaufenden sogenannten Micum-Verträge nicht erneuert werdenkönnten, daß die weitere Ausführung dieser Verträge durch die In-dustrie unmöglich sei und daß das Reich eine weitere Finanzierungdieser Verträge nicht leisten könne. Der Herr Reichs-außenminister selbst hat die Frage aufge-worfen: was wird geschehen, wenn eine Ver-ständigung nicht erfolgt? und ich stelle fest: derHerrReichSaußenminifter hatauf dieseFrage keineAntwort gegeben. (Zuruf von den Deutschen Demokraten:Sie bereiten sich auf die Nachfolge vor; sagen Sie es doch! -
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