Reichsminister des Auswärtigen vr. Stresemann: Die Antwortüberlasse ich Ihnen.) -
vr. Helfferich: Ich überlasse es Ihnen (zum Reichsaußenministergewandt), Ihre Rede von neulich zu ergänzen. Was ist das für eineManier, Herr Reichsaußenminifter! Ich lasse eS mir noch gefallen,wenn irgendwelche unverantwortlichen Herren von den Parteien dieFrage stellen: Was für eine Antwort geben Sie? aber gerade vonIhnen durfte die Frage nicht kommen. (Unruhe.) — Das deutscheVolk hat ein Recht, eine Antwort vonIh nen zu hören. WennSie erklären: die Verlängerung der Micum-Verträge ist unmöglichiund wenn Sie fragen:was soll dann werden, wenn eine Verständi-gungnicht erfolgt?, dann hat das deutscheVolkein Recht, von Ihnen,der Sie die Politik bisaufdiesen Pu nkt geführt haben, zu verlangen,daß Sie darauf eine Antwort geben. (Lebhafte Zu-stimmung bei den Deutschnationalen. - Abgeordneter Koch IWeserl:Wenn Sie kritisieren, müssen Sie auch eine Antwort geben!) — Dermatte Hinweis, der allein vielleicht als Antwort gedeutet werdenkönnte, auf die angeblich zunehmende Änderung der Stim-mung in Frankreich , ist eine abgegriffene Münze, mit derdas deutsche Volk nicht bezahlt werden kann. (Sehr richtig! bei denDeutschnationalen.)
Es bleiben also die internationalen Sachver-ftändigenauöschüsse als letzter Rettungsanker.
Ich will einmal zugeben, daß die Zusammensetzung und dieVerhandlungsform dieser Ausschüsse einen Fortschritt bedeutet, gegen-über dem Zustand, wie er sich z. B. im Frühjahr 1921 bei den Ver-handlungen vor dem Londoner Ultimatum darstellte. Das will ich nichtbestreiten. Aber daß diese Sachverständigenausschüsse ein unparteiischesGremium seien — ich will den Willen zur Objektivität der einzelnenMitglieder gar nicht bezweifeln —, das können wir schon aus demGrunde nicht zugeben, weil die Bildung und Zusammensetzung dieserSachverftändigenausschüsse nichts weniger als paritätisch ist. Dieeine Partei, Franzosen, Belgier usw., die Reparationsgläubiger,sind in den Ausschüssen vertreten; Deutschland ist nicht in den Aus-schüssen vertreten. Die deutschen Sachverständigen wurden nur alsAuskunftspersonen vernommen, aber auf die Willensbildung und
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