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Freies Deutschland oder internationale Reparations-Provinz : Reichstagsrede / Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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Entscheidung dieses Gremiums haben sie keinen Einfluß, währenddie andere Seite den entscheidenden Einfluß auf diese Willens-bildung hat.

Aber gerade, wenn man in diesen Sachverständigenausschüsseneinen Fortschritt und eine Hoffnung sieht, erhält die Frage doppeltesGewicht, ob die Verhandlungen mit diesen Aus-schüssen von der R e i ch S r e g i e r u n g so geführtworden sind, wie die L e b e n s i n t e r e s s e n desdeutschen Volkes es erforderten.

Auch hier kann ich die ernstesten Bedenken nicht unterdrücken.Die internationaleAtmosphäre" kenne ich aus meiner in der letztenZeit recht häufigen Berührung mit dem Auslande. Das Be-drückende für den Deutschen ist, daß im Aus-lande mehr und mehr der Eindruck aufkommt,daß Deutschland , um aus der materiellen Notherauszukommen, zu weitgehender Preisgabeseiner nationalen Selbstbestimmung bereit sei.(Sehr richtig! und Hört! Hört! rechts.) Mit dieser Atmosphärehatten wir bei der Verhandlung mit den Sachverständigenausschüssenzu rechnen und dieser Atmosphäre mußte entgegengewirkt werden.Es durfte die Meinung nicht unwidersprochen bleiben, daßDeutschland reif sei für eine internationaleVormundschaft und daß es gegen eine solche internationaleVormundschaft keinen ernstlichen Widerstand leisten werde. (Leb-hafte Zustimmung bei den Deutschnationalen.)

Meine Damen und Herren! Die Ausschüsse sind in einerMission nach Deutschland gekommen, die für uns nichts weniger alserhebend war: sie haben den deutschen Boden mit der Aufgabe be-treten, die uns aus dem Zusammenbruch gebliebene Masse auf ihreAusbeutungsfähigkeit für die Reparationsgläubiger zu prüfen. Ichbin überzeugt, daß die sämtlichen Mitglieder der Ausschüsse fürdiesen peinlichen für uns schwerpeinlichen Charakter ihrer Missiondas volle Verständnis hatten, und ich bin überzeugt, daß sie selbst dasallerwenigste Verständnis hatten für die Art und Weise, wie siehier von einer gewissen Presse begrüßt worden sind. (ErneuteZustimmung bei den Deutschnationalen.) Der Herr Reichsaußen-minister hat diese Begrüßung auch in ea-insra. oa.ritg.iis abge-schüttelt. Aber gerade, weil diese Presse sich bedauerlicherweise alsdie journalistische Leibgarde des Herrn Außenministers

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