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Die Friedensbedingungen : ein Wort an das deutsche Volk / von Karl Helfferich
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Schlimmer ist die Zumutung, daß Deutschland in demvon ihm zu unterzeichnenden Friedensvertrag sich mehr-fach, so gleich im Eingang des Vertrages, als den schul-digen Urheber des Krieges bekennensoll. Mit diesem Bekenntnis soll Deutschland nichtnur alles rechtfertigen, was ihm als Strafe für dieSchuld am Kriege in den Friedensbedingungen anunerträglichem Schimpf und Schaden auferlegt wird; es sollgleichzeitig vor der ganzen Welt eine moralische Selbst-hinrichtung vollziehen.

Aber all das wird übertroffen durch das Ansinnen,Deutschland solle durch Unterzeichnung des Friedensver-trages zustimmen, daß der Kaiser W i 1 h e 1 m II.wegenschwerster Verletzung des internationalen Sittengesetzesund der geheiligten Macht der Verträge" vor einen Ge-richtshof gestellt wird, dessen Mitglieder von den feind-lichen Großmächten ernannt werden und dem es mangelsjeder strafrechtlichen Norm für die angeblichen Verbrechen zustehen soll,die Strafe zu bestimmen, die er für an-gemessen erachtet". Ferner soll die deutsche Regierungunseren Feinden das Recht einräumen, solche deutscheReichsangehörige, die angeklagt werden,Handlungen gegendie Gesetze und Gebräuche des Krieges begangen zuhaben", vor ihre Militärgerichte zu stellen; zu diesem Zwecksoll sich die deutsche Regierung verpflichten, unserenFeinden alle Personen auszuliefern, die ihr die alliiertenund assoziierten Mächte bezeichnen werden; wenn es derEntente gefällt, etwa den Generalfeldmarschall von H i n -denburg zu verlangen, würde unsere Regierung auchdiesen ausliefern müssen.

Diese Zumutungen zeigen, daß unsere Feinde unskeine Demütigung ersparen und uns jedes Maß von Ehr-losigkeit glauben zutrauen zu können.

Wirtschaftliche Knebelung.

Das Werk der Erniedrigung und Vernichtung Deutsch-lands wäre unvollständig ohne unsere Verurteilung zu wirt-