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Die Friedensbedingungen : ein Wort an das deutsche Volk / von Karl Helfferich
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pflchten muß, die von der Kommission in ihre Listen auf-genommenen Gegenstände zu liefern, mit Enteignungen vor-gehen müssen.

Die Kohlenlieferungen usw.

Die hieraus zu erwartende schwere Schädigung unsererIndustrie wird verschärft durch die geradezu unsinnig hohenKohlenlieferungen, die in den Friedensbedingungen uns auf-erlegt werden sollen. Wir sollen an Frankreich, Belgien und Italien Kohlenmengen liefern, die 40 Millionen Tonnenund mehr im einzelnen Jahre erreichen, etwa doppelt soviel als in den besten Friedensjahren unsere gesamte Netto-ausfuhr an Kohlen nach sämtlichen Ländern betrug. In-folge des während des Krieges eingetretenen und unter derRevolution verschärften Produktionsrückganges leidet diedeutsche Volkswirtschaft ohnedies an empfindlichemKohlenmangel. Wenn uns jetzt mit dem Saargebiet undOberschlesien ein Drittel unserer Kohlenproduktion weg-genommen werden soll, so wird die Lage ohnedies geradezukatastrophal. Ein großer Teil unserer Industrie müßte zumErliegen kommen, unsere Eisenbahnen würden ihren Ver-kehr noch weiter einschränken müssen. Die Lieferung vonweiteren 40 Millionen Tonnen an das Ausland würde sichbei dieser Sachlage nicht nur als verhängnisvoll, sondernals völlig unmöglich erweisen.

Weiter werden Deutschland erhebliche Lieferungenauferlegt an Benzol, an Steinkohlenteer, an schwefelsauremAmmoniak, an Farbstoffen und pharmazeutischen Pro-dukten. Auch von unserem Bestand an Flußfahrzeugenf sollen wir auf Verlangen derKommission für Wiedergut-

machung" bis zu 20 Prozent herausgeben. Außerdem sollenwir unsere Werften, statt sie für den Neubau einer eigenenHandelsflotte zu verwenden, für fünf Jahre in den Dienstunserer Feinde stellen und jährlich bis zu 200 000 Brutto-tonnen Schiffsraum nach den Anweisunegn derKommissionfür Wiedergutmachung" für die alliierten und assoziiertenRegierungen bauen.

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