10M
Material jeder Art — das alles verlangt die prompte Beschaffung von riesenhaftenSummen zu einem Zeitpunkt, in dem der Krieg durch die Entziehung von Arbeits-kräften und durch die Unsicherheit aller Verhältnisse, insbesondere des auswärtigenHandels, eineu großen Teil des Werte schaffenden Wirtschaftslebens mattsetzt. DerAusblick auf diese finanziellen Ansprüche eines modernen Krieges zeigt, daß neben derNotwendigkeit der rein militärische» Kriegsbereitschaft für jeden auf seine Zukunft be-dachten Staat die Notwendigkeit der finanziellen Kriegsbereitschaft besteht. Die derstaatlichen Finanzvcrwaltung für die Verteidigung des Vaterlandes obliegenden Auf-gaben beschränken sich nicht darauf, in Friedenszeiten die für die Instandhaltung derKriegsrüstung erforderlichen Mittel bereitzustellen, sondern sie umfassen auch dieVorkehrungen, welche für den Kriegsfall die pünktliche Aufbringung der erforderlichenGelder nach Möglichkeit gewährleisten. Während des Krieges selbst wirkt die Finanz-kraft eines Volkes ebensowenig als tote Masse und durch das bloße Vorhandensein,wie das Heer und die Flotte; vielmehr bedürfen auch die Finanzen einer planmäßigenund umsichtigen Führung, die alle vorhandenen Kräfte und alle etwa sich bietendenVorteile im rechten Augenblick ausnützt: die Operationen des Feldherrn bedürfen zuihrer Unterstützung der Operationen des Leiters der Staatsfinanzen.
Wie die fortgesetzten Vervollkommnungen der Kriegswerkzeuge und die aus ihnensich ergebenden Veränderungen der Taktik die ununterbrochene Aufmerksamkeit allerStaaten erfordern, die ihr Heer uud ihre Flotte auf der Höhe der Leistungsfähigkeithalten wollen, ebenso dnlden die Vergrößerungen des dnrch den Krieg bewirkten Geld-bedarfs sowie die Veränderungen in der Organisation des Geld- und Kapitalmarktesund den dadurch bedingten Mitteln der Geldbeschaffung kein selbstzufriedenes Stille-stehen. Der gewaltige Kampf, den Nußland und Japan mit allen Mitteln dermodernen Technik um die Vorherrschaft in Ostasien führen, verdient deshalb nicht nurin rein militärischer Beziehung, sondern auch in seiner finanziellen Seite die genauesteBeobachtung.
Wenn in diesem Aufsatze eine Darstellung der finanziellen Seite des russisch-japanischen Krieges versucht werden soll, so ergibt sich für das Thema von selbst dieEinschränkung, daß, solange die Dinge noch im Flusse sind, endgültige Schluß-folgerungen nicht gezogen werden können. Der Inhalt des Aufsatzes wird sich vielmehrnach Lage der Dinge im wesentlichen auf das Konstatieren und Registrieren der Tat-sachen beschränken müssen, die für eine spätere kritische und abschließende Beurteilungvon Bedeutung sind. Dementsprechend soll zunächst ein Überblick gegeben werden überden Stand der Finanzen der beiden kriegführenden Mächte vor dem Kriegsausbruchuuter besonderer Berücksichtigung derjenigen Momente, die für ihre finanzielle Kriegs-bereitschaft in Betracht kommen. Im Anschluß daran werden die Maßnahmen fest-zustellen sein, welche von den kriegführenden Mächten bisher zur Deckung des durchden Krieg hervorgerufenen Geldbedarfs getroffen worden sind, ferner die jetzt bereitserkennbaren Rückwirkungen des Krieges sowohl auf die finanzielle Kriegstüchtigkeit derbeiden Staaten, als auch auf den internationalen Geld- und Kapitalmarkt, auf dessenHilfsquellen zurückzugreifen beide Parteien sich bereits im bisherigen Verlauf derDinge genötigt gesehen haben.