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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch -japanischen Krieges.

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Kultur ausgesetzt gewesen, es hatte insbesondere in der Zeit Peters des Großen bereitseine Art Vorbereitung für die raschere und vollständigere Umwandlung der letztenJahrzehnte durchgemacht. Japan dagegen ist mit der Restauration Ende der 60 erJahre des vorigen Jahrhunderts so gut wie unvermittelt in das neue Entwicklungs-stadium eingetreten, das ihm einen radikalen, nahezu jeden Anknüpfungspunkt an dieVergangenheit entbehrenden Umbau aller staatlichen und wirtschaftlichen Einrichtungen,ja eine Umwälzung des ganzen politischen und wirtschaftlichen Denkens brachte. Ebensowie in Rußland die neue Entwicklung vorbereitet war, hat sie sich in der Folgezeit in eineinverhältnismäßig ruhigen Tempo fortgesetzt, während Japan nach der Überwindung derersten Übergangsschwierigkeiten und Rückschläge in einer in der Weltgeschichte unerhörtenSchnelligkeit sich die Technik sowie die wirtschaftliche, finanzielle und politische Organi-sation Europas aneignete und auf dieser Grundlage eine rapide Entfaltung seinerVolkswirtschaft und seiner Staatsfinanzen erlebte. Japan ist dabei durch die großeuVorzüge seiner geographischen Gestaltung und Lage, auf Grund deren man es als dasEngland des Ostens" bezeichnet hat, sowie durch den beweglichen Geist seiner Be-völkerung erheblich unterstützt worden, während die schwere Masse des kontinentalenRußlands und damit wohl zusammenhängend die geringere Anpassungsfähigkeitder russischen Bevölkerung dem Umivandlungsprozeß einen weit größeren Widerstandentgegensetzte.

Nach diesem allgemeinen Überblick über die Grundzüge der wirtschaftlichenund finanziellen Entwicklung, die beide Länder während der letzten Jahrzehnte durch-gemacht haben, wenden wir uns zu der Betrachtung der einzelnen konkreten Tatsachen,die für die Beurteilung der finanziellen Stärke beider Länder zur Zeit des Kriegs-ausbruchs von Wichtigkeit sind.

Wir beginnen mit Rußland .

Der russische Etatsvoranschlag für das Jahr 1904 stellt sich nach dem Berichtdes Fiuanzministers an den Zareil, der alljährlich am 1. Januar (alten Stils)publiziert wird, folgendermaßen dar:

Die ordentlichen Einnahmen sind auf 1380,1 Millionen Rubel ( 4277Millionen Mark) veranschlagt; ihnen stehen gegenüber ordentliche Ausgaben im Betragvon 1966.5 Millionen Rubel 4 247,6 Millionen Mark). Der Überschuß derEinnahmen über die Ausgaben beträgt mithin im Ordinarium des Voranschlags13.6 Millionen Rubel 29,4 Millionen Mark).

Im Extraordinarium sind die Einnahmen ans 198,6 Millionen Rubel429,0 Millionen Mark), die Ausgaben auf 212,2 Millionen Rubel 458,4Millionen Mark) beziffert; es ergibt sich also hier ein Fehlbetrag, der durch den Über-schuß im Ordinarium seine genaue Deckung findet. Dabei muß hervorgehoben werden,daß der weitaus größte Teil der außerordentlichen Einnahmen, nämlich 195,8 MillionenRubel, gebildet ist durch Entnahmen aus dem freien Barbestande der Reichsrentei,dem die Erlöse aus Anleihen, die unvorhergesehenen Einnahmen und die etwaigen Über-schüsse aus den früheren Rechnungsjahren zufließen und aus dem unvorhergesehene Aus-gaben zu decken sind. Die Erhaltung dieses Bestandes der Reichsrentei auf einer nicht