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nach dem Voranschlag ihre volle Deckung durch die ordentlichen Einnahmen finden.Die Ausgaben für Armee und Marine sind sehr beträchtlich; in Mark umgerechnetstellen sie sich für das Heer auf 779 Millionen Mark, gegenüber einer Ausgabe desDeutschen Reichs von 646 Millionen Mark für denselben Zweck, — für die Marineauf 245 Millionen Mark, gegen 216 Millionen Mark beim Deutschen Reich. DieAusgaben für Rüstungszwecke machen insgesamt nahezu ein Viertel der sämtlichenordentlichen Ausgaben aus. Ein weiteres Viertel kommt auf die Verkehrsunterneh-mungen, von denen ein nicht unerheblicher Teil noch Betriebszuschüsse nötig hat. Nahezuein Sechstel der Ausgaben kommt auf die Verzinsung und Amortisation der Staats-schuld. Unter die sehr erheblichen Ausgaben des Finanzministeriums fallen neben denAusgaben der eigentlichen Finanzverwaltung namentlich die Beamtenpcnsionen, die Un-kosten des staatlichen Branntweinvcrkaufs und die Garantiezuschüsse an Eisenbahn-gesellschaften. Sehr spärlich bedacht sind die Ausgaben für Kulturbedürfuisse.
Die russische Staatsschuld, deren Dienst einen so erheblichen Teil der Aus-gaben ausmacht, bezifferte sich zu Beginn des Jahres 1904 auf 6636 Millionen Rubel— 14^/z Milliarden Mark. Sie ist mithin fast genan so hoch wie die Summe derSchulden des Deutschen Reichs und sämtlicher Bundesstaaten, die sich auf etwal4'/2 Milliarden Mark beläuft. Die russische Schuld zerfällt in eine große Anzahlverschiedener Kategorien, die — je nach ihrer Entstehungszeit — mit verschiedenemZinsfuß ausgestattet sind. Nahezu die Hälfte der russischen Staatsschuldverschreibungenund" Renten (3034 Millionen Rubel) lautet neben russischer Währung auch auf deutsche,französische, englische oder holländische Währung, wobei Zinsen und Kapital nach Wahldes Schuldners in der einen oder anderen dieser Währungen zahlbar sind. Währendfrüher die Ausgabe von Schuldverschreibungen mit einem festen Tilgungsplan üblichwar, ist in den letzten Jahrzehnten eine beträchtliche Anzahl von „ewigen Renten"hinzugekommen. Außerdem hat der Staat bei dem Ankauf von Eisenbahnen die Ver-pflichtung aus den von den Eisenbahngesellschaften ausgegebenen Obligationen über-nommen; ebenso stellen die Pfandbriefe der russischen Adels-Agrarbank und der russischen Bauernbank, die beide Staatsinstitute sind, eine Schuld des russischen Reiches dar.
Von dieser Schuld ist ein sehr erheblicher Teil im Auslande untergebracht,vor allem in Frankreich, das vom Jahre 1887 an die von Deutschland abgestoßenenrussischen Werte aufnahm uud seit jener Zeit enorme Beträge von neuen russischen An-leihen absorbiert hat. In Paris werden an der Börse nicht weniger als vierzehnKategorien russischer Staatsanleihen, außerdem zehn Kategorien russischer Eisenbahn-obligationen offiziell notiert. Der Betrag der in französischen Händen befindlichenrussischen Staatspapiere wird auf etwa 7 bis 9 Milliarden Franken geschätzt.") InDeutschland, Holland nnd England sollen gegen 3 Milliarden Franken russischer Staats-papiere untergebracht sein. Der Betrag, den Rußland für die Verzinsung und eventuelleAmortisation dieser Anleihen nach den genannten Ländern zu remittieren hat, wird auf
*) Der Londoner > ^i-nnnrnist- vom 13. Februar 1904 schätzt in seiner Pariser Korre-spondenz die gesainte Kapitalanlage Frankreichs in russischen Werten (einschließlich industrieller Werte)auf 7 bis 3 Milliarden Franken. — U-^Iia^I-Vsoi-Aes I^vz^ schätzt in einem Aufsatze in der»üsvne cle.°l clerix monds»« (vom 1. Juli 1904) den in Frankreich untergebrachten Betrag derrussischen Staatsschuld allein auf mehr als die Halste deS Gesamtbetrags, also etwa 9Milliarden Franken.