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im Jahre 1L92 im Jahre 1900Millionen Rubel
Der Reinertrag der wtaatSbahnen und die
Zahlungen der PrivatbahnenDer Reinertrag der Forsten .
55.410,5
139,045,6
Der Aufwand für deu Anleihedienst
Zusamnieu
66,9243,2
184,6275.3
Aus anderen Einnahmequellen blieben mit-hin für den Anleihedienst zu decken . .
176,3
90,7
Auch wenn man berücksichtigt, daß innerhalb des bezeichneten Zeitraums derAnleihedienst eine gewisse Entlastung durch die Verminderung der Amortisation er-fahren hat, bleiben diese Zahlen ein beredtes Zeugnis für die außerordentliche Kräftigungder russischen Staatsfinanzen.
Gewissermaßen im Brennpunkt aller auf eine Konsolidierung der russischen Finanzverhältnisse hinzielenden Maßnahmen stand die russische Währungsreform,deren Ziel die Ersetzung eines enormen Umlaufs uneinlösbaren Papiergeldes durcheine auf gesicherter Grundlage beruhende Goldwährung war. Die Währungsreformgalt einerseits den russischen Finanzministern von der Zeit Bunges an mit Recht alsdie unerläßliche Voraussetzung für eine dauernde Ordnung der russischen Staats-finanzen und eine dauernde Befestigung des russischen Staatskredits, anderseits wardie Währungsreform selbst, die Ersetzung des uneinlösbaren Papiergeldes durchGoldgeld, nur möglich vermittels jener planmäßigen und strengen Finanzwirtschaft,mit deren Durchführung wir uns in den vorstehenden Ausführungen beschäftigt haben.
Die rein volkswirtschaftlichen Gründe, die für Rußland die Zurückführungdes Geldwesens auf eine metallische Grundlage, und zwar auf dieselbe Grundlage,auf der das Geldwesen der westeuropäischen Länder aufgebaut ist, notwendig machten,können hier nicht im einzelnen erörtert werden. Es sei nur hervorgehoben, daßRußland der nur durch die Goldwährung erreichbaren Stabilität der Wechselkurse ausdie westeuropäischen Länder bedürfte, um seinen Handel mit den Goldwährungs-ländern, vor allem seine große Getreideausfuhr, von der Störung durch diefortgesetzten Schwankungen des Rubelkurses zu befreien.^) Insbesondere aber wardie Festlegung des Rubelkurses auf dem Boden der Goldwährung erforderlich, umdas Kapital der vorgeschrittenen westeuropäischen Länder in größerem Umfangefür die Aufschließung und Nutzbarmachung der großen wirtschaftlichen Hilfs-quellen Rußlands verfügbar zu machen. Das Kapital scheut bei der Investierungin fremden Ländern nichts mehr als unsichere Valutaverhältnisse. Solange die
In einem Aussatz über „Außenhandel und Bnlutaschwankuugeu" <Sch mollers Jahr-buch XXI, 2) abgedruckt in meinen „Studien über Geld- und Bankwesen", 1900, habe ich nach-gewiesen, wie von der Mitte der 80er bis zur Mitte der 90er Jahre des vorigen Jahrhundertsregelmäßig eine günstige russische Ernte und daraus folgende starke Getreideausfuhr den Nubelkurshob und auf diese Weise bewirkte, daß die russischen Produzenten und Händler für den gleichenPreis in dem Geld ihrer auswärtigen Abnehmer einen geringeren Erlös in Rubeln erzielten. Dieschwankende Papiervaluta hat mithin für den wichtigsten russischen Exportartikel die Ausnutzunggünstiger Ernte- und Weltmarklskonjunkturcn beträchtlich erschwert.