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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite dcS rnssisch-japnnischcn Krieges,

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durchschnittlichen Kurs des Rubels in den Jahren 1876 bis 1895 ungefähr überein-stimmt. Die Silbermünzen wurden durch die Beschränkung ihrer Zcihlungskraft aufBeträge bis zu 25 Rubel zu Scheidemünzen gemacht. Der Reichsbank wurde dieVerpflichtung auferlegt, die von ihr ausgegebenen Kreditbillette auf Verlangen der In-haber zu ihrem Nennwert gegen Gold einzulösen. Auf dieser Grundlage ist die Gold-währung durch den Ukas vom 7./19. Juni 1899 zu ihrem gesetzlichen Abschlußgebracht worden.

Im Zusammenhang mit der Währungsrcform erhielt die russische Reichs-bank eine neue Verfassung, durch die vor allem ihr Recht der Notenausgabe imInteresse der Erhaltung der Goldwährung einer strengen Beschränkung unterworfenwurde: Solange der Betrag der emittierten Kreditbillette 600 Millionen Rubel nichtübersteigt, darf die Golddeckung nicht weniger als die Hälfte des Gesamtbetrages derausgegebenen Kreditbillette betragen; über die Summe von 600 Millonen Rubel hinausmüssen die Kreditbillette voll gedeckt sein. Für die Beurteilung der finanziellen Unter-stützung, welche die Bank dem Staate für die Zwecke des Krieges gewähren kann, istdiese Vorschrift von großer Wichtigkeit. In Anbetracht der großen Zahlungs-verpflichtungen Rußlands an das Ausland und zum Zweck der gelegentlichen Einwirkungaus die auswärtigen Wechselkurse hält die Bank einen Teil der Golddeckung in derForm von Goldwechseln auf das Ausland in ihrem Portefeuille und in Goldguthabeubei ausländischen Banken. In welchem Maße durch den Barbestand der russischen Reichsbank, ihre Wechsel auf das Ausland und ihre bei ausländischen Banken stehendenGuthaben die Einlösung der Kreditbillette und damit die Aufrechterhaltung der Gold-währung gesichert ist, wie groß andrerseits die in dem Goldbestand der Bank vor-handene letzte Reserve für die Geldbedürfnisse des Krieges ist, geht aus folgendenZahlen hervor:")

Im Durchschnitt des Jahres 1903 betrug der Notenumlauf der russischen Reichsbank 580 Millionen Rubel. Der Barvorrat in den Kassen der Bank beziffertesich auf 803.5 Millionen Rubel, davon 724,3 Millionen Rubel in Gold, 79.2 MillionenRubel in Silbergeld; dazu kamen an Goldwechseln auf das Ausland und an Gold-guthaben im Ausland 79,4 Millionen Rubel. Das ergibt eine Notendeckung voninsgesamt 882.9 Millionen Rubel oder eine Überdeckung des Notenumlaufs um 52.2 v. H.In seiner absoluten Höhe wurde der Goldbestand der russischen Reichsbank (Wechselund Guthaben eingerechnet) im Jahre 1903. 803.7 Rubel ^ 1736,1 Mark, nur vondemjenigen der Bank von Frankreich , der sich auf etwas über 2 Milliarden Markbezifferte, übertroffen; dagegen war er mehr als doppelt so hoch wie derjenige derBank von England (703 Millionen Mark) und der Reichsbank (etwa 650 MillionenMark). Freilich sind bei der russischen Reichsbank die dem Barvorrat außer deuNoten gegenüberstehenden sonstigen täglich fälligen Verbindlichkeiten außerordentlichhoch. Allein die täglich fälligen öffentlichen Guthaben beliefen sich im Durchschnittdes Jahres 1903 auf 519.3 Millionen Rubel, die Gesamtheit der täglich fälligenGuthaben stellte sich auf 633,3 Millionen Rubel. Trotzdem ergab sich für Noten undtäglich fällige fremde Gelder eine Bardeckung von 72,8 v. H., dasselbe Deckungs-

Die Angaben sind der den Jahrbüchern für Nationalökonomie und Statistik bei-gegebenenVolkswirtschaftlichen Chronik " entnommen, Jahrgang 1S03, S. 692.

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