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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch-japnnischen Krieges.

die Valutaentwertung zu verschärfen geeignet ist; schließlich kann in Goldwährungs-ländern, wenn die andern Mittel der Geldbeschaffung versagen, die metallische Reserveselbst in Anspruch genommen werden. Auch wenn auf diese Weise die metallischeWährung den Kriegsbedürfnissen geopfert wird, so sichert sie doch demjenigen Staate,der beim Kriegsausbruch in ihrem Besitze ist, einen höchst wertvollen Vorsprung voreinem Lande mit Papierwährung.

Zweifellos siud gerade diese sich auf den Kriegsfall beziehenden Erwägungenunter den Gründen, die für die Einführung der Goldwährung in Rußland bestimmendwaren, ganz besonders schwer ins Gewicht gefallen und haben darüber hinaus dieVeranlassung gegeben, daß die Leiter des russischen Finanzwesens die neue Goldwährungauf einer ganz besonders soliden Grundlage errichtet haben. Mit Recht bezeichnetdeshalb v. Schulze-Gävernitz die Währungsreform als die finanzpolitische Seite vonRußlands Weltpolitik.*)

Die Einzelheiten der technischen Durchführung der Währungsreform könnenhier natürlich nicht erörtert werden. Das Problem der Reform bestand darin, daßder russische Staat das enorme unverzinsliche Darlehen, das er in Kreditbilletten ausder Bank entnommen hatte, an die Bank zurückzahlte, um die Bank dadurch zu derWiederaufnahme und Aufrechterhaltung der Einlösung der von ihr ausgegebenen Geld-zeichen instandzusetzen. Diese unverzinsliche Schuld des Staates an die Bank hatzeitweise über eine Milliarde Rubel betragen und ist von Beginn der 80er Jahre anbis zum Jahre 1900 allmählich zurückgezahlt worden, und zwar teils in Kreditbilletten,durch deren Rückgabe die Emission der Bank vermindert wurde, teils in Gold, durchdas auf der einen Seite der Einwechslungfonds der Bank eine Erhöhung erfuhr, aufder andern Seite die Kreditbillette im freien Umlauf ersetzt wurden. Daneben hat derrussische Staat sich bei der Bank durch die Einzahlung von Gold ein sehr beträchtlichesGuthaben geschaffen.

Die Wandlungen, die auf diesem Wege im russischen Geldwesen herbeigeführtworden sind, kommen in folgenden Zahlen zum Ausdruck:

Ausgabe von Goldbestand in Reichs- GoldmünzenKreditbilletten bank und Reichsschatz im Verkehr

Millionc n Rube l.

1881 . .

. . 1133.5

170

1837 . .

. . 1046

211.5

Herbst 1892 , ,

. .'1100

905,5

Anfang 1898 . ,

. . 905,5

1323,3

149,3

Ende 1900 . .

. . 552,3

807.8

684.5

Ende 1903 . .

. . 584,0

1053,0

787,1

Während diese tatsächliche Umwandlung des russischen Geldwesens im Gangewar, hat der Finanzminister v. Witte zunächst vom Jahre 1894 an mittels der imAusland geschaffenen Goldguthaben den Kurs des Rubels innerhalb enger Grenzenreguliert. Dann war ein neuer Goldrubel geschaffen worden, der auf Grund seinesMetallgehaltes einem Werte von 2,16 Reichsmark entspricht, ein Knrs, der mit dem

A. a. O., S. 462.