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danken — das neue Japan hatte das Bankwesen im Jahre 1872 nach dein Vorbild derBereinigten Staaten geordnet — ihre Notenemission in jenen Jahren auf einen über-mäßigen Umfang steigerten. Der Umlauf der auf diese Weise geschaffenen papiernenGeldzeichen erreichte seinen höchsten Umfang im Januar 1880 mit folgenden Ziffern"):
Staatspapiergeld........... 113,3 Millionen ?1en.
Temporäre Ausgabe aus der Papiergeldreserve . 22,2 - -
Noten der Nationalbanken ........ 34,1 - __
Zusammen , , , 170,1 Millionen ^en.
Aus dieser für die japanischen Verhältnisse enormen Papiergcldausgabe folgteeine starke Entwertung der japanischen Valuta. Der tiefste Punkt der Entwertungwurde im April 188l mit einem Kurs von 1,8l5 Papier-Den — 1 Silbernen erreicht.
Alles in allem bietet die Finanzlage Japans zu Beginn der 80er Jahre desvorigen Jahrhunderts eine merkwürdige Analogie — allerdings in kleinerem Maß-stab — zu den Finanzverhältnissen, mit denen Rußland um dieselbe Zeit aus dem.türkischen Krieg hervorging: hier wie dort ein übermäßiges Anschwellen der Staats-schulden und der Papiergeldausgabe, eine schwere Erschütterung des Staatskredits undder Valuta.
Ebenso wie in Rußland begann nunmehr in Japan eine Periode der finan-ziellen Rekonstruktion: die Staatseinkünfte wurden durch die Verdoppelung der Sake-steuer erhöht, die Ausgabe» der Negierung wurden durch die Überweisung von Aufgabenan die lokalen Verwaltungen, deren Besteuerungsrecht erweitert wurde, erheblich er-leichtert, die Negierung veräußerte einen Teil der von ihr zur Beförderung derIndustrie begründeten gewerblichen Unternehmungen und schränkte die Gewährung vonDarlehen an private Unternehmungen ein, allen Verwaltungszweigen wurde dieäußerste Sparsamkeit auferlegt. Die auf diese Weise erzielten Überschüsse des Staats-haushalts wurden zur einen Hälfte zur Einziehung von Staatspapiergeld, zur anderenHälfte zur Verstärkung des Einlösungsfonds der Regierung verwendet. Bereits gegenEnde des Jahres 1885 waren durch diese Maßnahmen die Verhältnisse so weit gebessert,daß das Agio des Silber-)>)en verschwunden war und die Negierung am 1. Januar 1836die Barzahlungen in Silber wieder aufnehmen konnte. Gleichzeitig mit der Regulierungdes Umlaufs von Staatspapiergeld wurde die Ausgabe von Banknoten neu geordnet.Den Nationalbanken wurde die allmähliche Einziehung ihrer Noten auferlegt, dafürwurde nach dem Vorbild der westeuropäischen Staaten eine Zentralbank geschaffen,die Bank von Japan (Nippou Ginko), die in Zukunft das alleinige Recht der Noten-ausgabe besitzen sollte und der die Aufgabe der Regelung des Geldumlaufs zugewiesenwurde. Die eigentliche Staatsschuld hat, trotz der allmählich wachsenden Ausgabenfür Verkehrsmittel und namentlich für Heer und Flolte, vom Ende der 70er Jahrean im ganzen eine Verminderung erfahren; während sie im Jahre 1879 250 Millionen?)en betragen hatte, belief sie sich 1889 nur auf 240,8 Millionen Uen. Da sich indemselben Jahrzehnt der Umlauf des Staatspapiergeldes von 130,3 auf 40,9 Millionen
^) Vergl. »lioxort cm t lic- .-V<kopt.ic»n ol tlie (!>>l>1 >^t!ui>l.->r>1 in .lupun-, erstattet 189!» vondem damaligen Fiuanzminister, dem Grafen Matsukata Mnsanoshi.