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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen .Krieges ,

Erfordernisse der Staatsschuld den breitesten Raum einnehmen, sowie die Ausgabenfür wirtschaftliche Zwecke und Verkehrsunternehmungen zu einem erheblichen Teildirekt oder indirekt im militärischen Interesse erfolgt.

So gewaltig diese Aufwendungen für Heer und Flotte im Verhältnis zu denGesamtziffern des japanischen Staatshaushalts erscheinen, so gering sind sie wieschon oben bei der Besprechung des Budgets für 1903/04 hervorgehoben wurdeim Verhältnis zu den gleichartigen Aufwendungen der europäischen Großmächte. Ins-besondere aber erscheint diese Aufwendung gering im Verhältnis zu dem, was Japan mit ihnen geschaffen hat: die Vermehrung seines Landheeres auf den nahezu fachenStand, seine Ausstattung mit den modernsten Gewehren und Geschützen, vor allem aberdie Schaffung einer erstklassigen Schlachtflotte nahezu ans einem Nichts heraus. Nurdie äußerste Sparsamkeit der Verwaltung bei der Verausgabung der ihr zur Ver-'fügung stehenden Mittel und nur die äußerste Bedürfnislosigkeit des japanischen Ar-beiters und Soldaten erklären das mehr als erstaunliche Verhältnis zwischen demKostenaufwand und den erzielten Ergebnissen.

In den bisherigen Ausführungen wurde gezeigt, in welchem Maße Japan seine Finanzen während des letzten Jahrzehnts unmittelbar in den Dienst seiner Wehr-kraft gestellt hat. Wenn es dabei in erheblichem Umfang auf die Aufnahme von An-leihen zurückgreifen mußte, so hat ihm die solide Finanzwirtschaft während der Periode1880 bis 1895 die Möglichkeit gegeben, die benötigten Mittel auf diesem Wege ohneerhebliche Schwierigkeiten zu relativ billigen Bedingungen und ohne eine neue Er-schütterung seines Kredits aufzubringen. Die Darstellung der finanziellen VerhältnisseJapans zur Zeit des Kriegsausbruchs erfordert jedoch noch einige Ausführungendarüber, in welcher Weise Japan seine Geldverfassung, über deren Bedeutung für diefinanzielle Kriegsbereitschaft das Nötige schon bei der Besprechung der russischen Ver-hältnisse gesagt worden ist, geordnet hat.

Es wurde bereits erwähnt, daß Japan das Übermaß der im Laufe der70er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Umlauf gebrachten Papiergeldzeichen imZusammenhang mit der Konsolidierung seiner Finanzen von Anfang der 80er Jahrean allmählich vermindert und seine gänzliche Beseitigung vorbereitet hat, und daß ihmdie Schaffung eines Einlösuugsfonds aus den Budgctüberschüssen die Möglichkeit ge-geben hat, das Papiergeld vom 1. Januar 1886 an gegen Silbergeld einzulösen; daßferner der im Jahre 1882 gegründeten Bank von Japan das ausschließliche Recht derNotenausgabe übertrage» wurde. Mit der Wiederaufnahme der Barzahlungen amI.Januar 1886 hatte Japan allerdings wieder.eine metallische Währung, aber nichtdie Währung der wirtschaftlichen Großmächte, denen Japan in allen ihren wirtschaft-lichen Einrichtungen nachstrebte, sondern eine Silberwährung. Infolge der heftigenSchwankungen des Silberpreises, die gerade von der Mitte der 80er bis zur Mitteder 90er Jahre besonders stark waren, schwankte auch die japanische Valuta gegenüberder Währung des Weltmarktes. Die Nachteile dieses Zustandes für den Handel mitden Goldwährungsländern, von dem Japan eine wesentliche Beschleunigung seinerwirtschaftlichen Entwicklung erwartete, und die Erschwerung des Zuflusses von Leih-kapital aus diesen Ländern waren bei der Silberwähruug kaum geringer als vorher bei