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aber definitiven Verlust erleiden, als der Möglichkeit ungemessener Verluste gegenüber-stehen wollen, ihre Papiere um jeden Preis auf den Markt zu werfen.
In dem uns beschäftigenden Fall ist die Gefahr eines solchen (üireulus vitio-sus für die kontinentalen Börsen dadurch erheblich gesteigert worden, daß für diese— im Gegensatz zu London , wo man besser unterrichtet und vorbereitet war — derKriegsausbruch gänzlich überraschend kam. Die Nachricht von dem Abbruch der diplo-matischen Beziehungen und von dem Angriff des japanischen Geschwaders auf dierussische Flotte vor Port Arthur hatte auf den Börsen in Berlin, Wien und Paris eine vollendete Kopflosigkeit zur Folge. Das Kursniveau nahezu sämtlicher Anlage-werte erlitt im ersten Ansturm am 8. und 9. Februar eine schwere Einbuße. Be-sonders gering erwies sich gegenüber dem ersten Anprall die Widerstandsfähigkeit derdeutschen Börsen, obwohl diese beim Kriegsausbruch sich zweifellos in einer gesunderenVerfassung befunden hatten, als der Pariser Markt, der mit spekulativen Engagements,namentlich in spanischen Werten, stark belastet war. Vielfach ist diese auffallendgeringe Widerstandskraft des deutschen Kapitalmarktes auf die Börsengesetzgebungzurückgeführt worden.
Dem allgemeinen Kurssturz, der in eine völlige Deroute auszuarten drohte,wurde jedoch bereits um die Mitte der zweiten Februarwoche durch Jnterventionskäufeder großen Banken ein Ziel gesetzt. Es trat verhältnisniäßig rasch eine Beruhigungein, bis am 20. Februar — diesmal von Paris ausgehend — eine neue Erschütterungerfolgte. In Paris brach jetzt das Karteuhaus der Spekulation zusammen; die un-mittelbare Ursache scheinen Zahlungseinstellungen von spanischen Firmen und die Nach-richten von einer partiellen Mobilmachung Spaniens gewesen zu sein. Bei dem großenEngagement der Pariser Börse in spanischen Werten genügte dieser Anstoß, um denganzen Markt ins Wanken zu bringen. Die Panik wurde verstärkt durch die wildestenGerüchte, wie sie nur in solchen aufgeregten Zeiten geglaubt werden. Man sah außerSpanien mindestens noch England, Amerika, die Türkei und die übrigen Balkanstaatenin den russisch -japanischen Konflikt hineingezogen. Erst allmählich gelang es, wiederBeruhigung zu schaffen. Natürlich wurden durch diese Vorgänge auf dem'PariserMarkt auch die übrigen westeuropäischen Börsen in Mitleidenschaft gezogen; insbesondereerfolgte auch in Berlin eine weitere Senkung des Kursniveaus, wenn man auch hierdiesem zweiten Schlag gegenüber etwas ruhigeres Blut behielt als gegenüber demersten Schrecken.
Welche Verheerungen die Erschütterungen des Februar auf dem deutschenKapitalmarkte anrichteten, davon kann man sich aus der unten abgedruckten Tabelleein Bild machen. Neben Bergwerks-, Industrie-, Bank- und Schiffahrts-Aktienerlitten auch die deutschen Staatsanleihen starke Kursrückgange; die ZprozentigeNeichsanleihe ist von 91,40 zu Jahresanfang auf 89,00 am 20. Februar zurück-gegangen. Eine noch schwerere Kurseinbuße erlitt die französische Zprozentige Rente,die von 97,30 bis auf 94,50 sank und am 20. Februar zeitweise nur mit 93,15 ge-handelt wurde. Auch die englischen Konsols haben einen Kursrückgang erfahren. Imübrigen sind auf dem französischen Markte neben spanischen und türkischen Wertenvor allem auch die russischen Jndustriewerte stark betroffen worden. Bemerkenswertist die Widerstandsfähigkeit, welche die russische» Staatsanleihen nach der Überwindung