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Die finanzielle Seite des russisch-japanischen Krieges
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Die finanzielle Seite deS russisch -japanischen Krieges.

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Verkehr zwischen den Individuen vermittelt, so ist es auch der Träger der wirtschaft-lichen Beziehungen von Land zu Land. Alle Verhältnisse, die mit dem Geld und Geld-verkehr unmittelbar zusammenhängen, werden deshalb durch Vorgänge in fremdenWirtschaftsgebieten am leichtesten in Mitleidenschaft gezogen. In dem uns hier be-schäftigenden Falle kommt hinzu, daß das Kapital der westeuropäischen Länder füreinen Betrag von vielen Milliarden Mark an dem Schicksal der einen der krieg-führenden Parteien unmittelbar interessiert ist, verwiegend dnrch Anlagen in russischen Staatspapieren, in erheblichem Umfange aber auch durch die Beteiligung an wirtschaft-lichen Unternehmungen und durch Kreditgewährung an solche. An japanischen Wertenwaren allerdings nur geringfügige Beträge in Westeuropa , und zwar so gut wie aus-schließlich auf dem englischen Markte, untergebracht, aber daran konnte kein Zweifelbestehen, daß der Krieg nicht nur Rußland, sondern auch Japan zu einer neuen be-trächtlichen Inanspruchnahme des westeuropäischen Kapitals nötigen werde.

Der Krieg fand den Kapital- und Geldmarkt der westeuropäischen Länder ineiner relativ guten Verfassung. Die Stürme der Krisis, die im Jahre 1900 auf eineder glänzendsten Anfschwungsperioden gefolgt war, und deren Verlauf teilweise durchpolitische Vorgänge, wie den südafrikanischen Krieg und die chinesischen Wirren, kom-pliziert worden war, konnten als überwunden gelten. Während des Jahres 1903 hattensich überall Anfänge einer Wiederbelebung von Industrie und Handel gezeigt, derAnlagcmarkt zeigte erneutes Vertrauen, das in einer nicht unbeträchtlichen Hebung desKursniveaus namentlich der industriellen Anlagewerte zum Ausdruck kam. Allerdingshatte dabei auch der Zinsfuß, der von seiner abnormen Höhe in den Jahren 1899nnd 1900 während der Periode der Depression stark herabgegangen war im April1902 wurde iu Berlin zeitweise ein Privatdiskontsatz von nur 1^/2 Prozent notiertwieder etwas angezogen. Der durchschnittliche Zinssatz für kurzfristigen Kredit standim Jahre 1903 auf den wichtigsten europäischen Geldmärkten wieder etwas höher alsim Jahre 1902, und eine leichte Verteuerung des Zinsfußes für langfristigen Kredittrat in einer erneuten Abschwächuug der Kurse der wichtigsten Staatsanleihen zutage.Immerhin war die Zinssteigerung so geringfügig, daß der Geldstand zu Beginn desJahres 1904 als durchaus günstig bezeichnet werden konnte. ,

Wenn wir nun die Veränderungen feststellen wollen, die der Krieg in diesemStand der Dinge hervorgebracht hat, so haben wir den sich mit dem Begriff derFondsbörse deckenden Markt für Anlagewerte, den Kapitalmarkt, von dem Markt fürkurzfristigen Kredit, dem Geldmarkte, zu unterscheiden.

Der Kapitalmarkt war in erster Linie der Einwirkung des Kriegsausbruchsausgesetzt. Der Krieg war geeignet, bei den Inhabern einer ganzen Reihe von Anlage-papieren die Befürchtung schwerer Kapitalverluste zu erwecken. Dies galt nicht nur vonden Besitzern russischer Staatspapiere und russischer Jndustriepapiere; der Krieg er-weckte vielmehr weitergehende politische Befürchtungen, er ließ die Gefahr aller mög-lichen Komplikationen auftauchen und stellte damit in den Augen des aus seiner Ruheaufgeschreckten Publikums so ziemlich alle Werte in Frage. An sich schon ist die Furchtvor Kapitalverlusten an Anlagewerten geeignet, die gefürchteten Verluste tatsächlichherbeizuführen; sie veranlaßt die geängstigten Inhaber, die lieber einen erheblichen