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Minderung des deutschen Volksvermögens.Das gilt für uns und in ähnlicher Weiie natürlich auch fürunsere Feinde. Wenn das gesamte deutsche Volksvermögenvor dem Krieg auf 330 bis 380 Milliarden Mark veranschlagtwurde, so ist es durch die etwa 130 Milliarden Mark Kriegs-ausgaben sicher nicht auf 200 bis 2S0 Milliarden Mark ver-mindert worden. Denn die Kriegsausgaben sind zum weitausüberwiegenden Teil im eigenen Land geleistet worden als Ent-gelt für die während des Krieges und für den Krieg geleisteteArbeit. Wenn es falsch ist zu sagen: Das Volksvermögen seium den Betrag der Kriegsausgaben vermindert worden, so willich nicht in den entgegengesetzten Fehler verfallen und be-haupten, wie man es mitunter behaupten hört, daß, soweit dieAusgaben im Jnlande gemacht worden seien und infolgedessendas Geld im Lande geblieben sei, eine Verminderung des Volks-Vermögens überhaupt nicht stattgefunden habe. Das hießeganz an der Oberfläche der Dinge bleiben und das bare Geld,das nur ein bescheidener Teil des Volksvermögens ist, mit derGesamtheit des Volksvermögens verwechseln. Wenn wir zueinem zutreffenden Ergebnis kommen wollen, müssen wir ge-wissermaßen eine Inventur der deutschen Volkswirtschaft fürdie Zeit zu Kriegsanfang und zu Kriegsende machen. Da wirdsich zeigen, daß erhebliche Vermögenswerte, die vor dem Kriegevorhanden waren, durch den Krieg und während des Kriegesaufgezehrt oder in ihrem Wert gemindert worden sind, daßaber Wertzerstörung, Wertverbrauch oder Wertminderung nureinem kleineren Teil der Kriegsausgaben des Reichs ent-sprechen.
Der- eigentlichen Zerstörung anheimgefallen sind nur be-scheidene Teile unseres wirtschaftlichen Inventars, hauptsächlichin Ostpreußen während des Russeneinfalls und in< dem Süd-zipfel des Elsaß . Im übrigen Reichsgebiet haben wir ledig-lich Fliegerschäden zu verzeichnen, die an sich zwar bedauerlich,