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Die Baumwollfrage : ein weltwirtschaftliches Problem / von Helfferich
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Die Baumwollfrage.

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Wie nun auch die bis jetzt vorliegenden bescheidenen Anfänge mit unsererkolonialen Baumwollkultur sich gestalten mögen, zwei Gewinne können hente schon ver-zeichnet werden.

Der eine Gewinn ist, daß es zum ersten Male an einem ganz besonderswichtigen Einzelfall einem großen Teil der deutschen Industrie und des deutschen Handels zum Bewußtsein gekommen ist, wie es unter Umständen für die Sicherungunserer heimischen Volkswirtschaft notwendig werden kann, auf die natürlichen Hilfs-quellen unserer Kolonien zurückzugreifen, und daß zum ersten Male ein großer Teilder deutschen Industrie und des deutschen Handels sich zu einem einheitlichen Vorgehen,das die Nutzbarmachung unserer kolonialen Hilfsquellen bezweckt, zusammengeschlossen hat.Wenn die Führer einer gewissen parlamentarischen Partei, die unserer Kolonialpolitikein prinzipielles Nein entgegensetzen, genauer nachprüfen, dann werden sie vielleicht finden,daß Leute mit gewichtigen wirtschaftlichen Namen aus ihren eigenen Reihen sich demkolonialen Baumwollunternehmen und den Petitionen an den Reichstag um Bewilligungder beiden Kolonialbahnen angeschlossen haben. Nur zur Charakterisierung der Stim-mung sei erwähnt, daß sogar derVorwärts" am 16. Oktober 1903 schrieb:Wirsind durchaus Gegner der Kolonialpolitik, stehen aber den in Afrika betriebenen Ver-suchen, dort die Baumwollkultur einzuführen und auszudehnen, sympathisch gegenüber.Das Baumwollmonopol, das die Vereinigten Staaten von Amerika immer nochbesitzen, führt dort in jedem Jahre zur Bildung von Spekulationsringen und scham-losen Preistreibereien, welche fast regelmäßig anhaltende Störungen in der englischen,deutschen und französischen Baumwollindustrie nach sich ziehen. . . Könnte diesesMonopol Amerikas und damit der dortigen Baumwollkönige durchbrochen werden, sowürde das für die gesammte Baumwollindustrie ein großer Vorteil sein."

Der zweite Gewinn ist, daß die Leitung und die bisherigen Erfolge derdeutschen Baumwollunternehmung die Aussicht eröffnen, daß die wirtschaftliche Energiein Verbindung mit der wissenschaftlichen Gründlichkeit die Eigenschaften, denendas neue Deutschland seinen großen wirtschaftlichen Aufschwung verdankt auch aufkolonialem Felde schließlich sich durchsetzen werden. Jedenfalls hat Deutschland in seinemBaumwollunternehmen zum ersten Male auf kolonialem Gebiete bahnbrechend und vor-bildlich auch für die größeren und älteren Kolonialmächte gewirkt.