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Die Baumwollfrage : ein weltwirtschaftliches Problem / von Helfferich
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Die Baumwollftage,

Jahre 1889, als er der kolonialen Baumwollkultnr seine Aufmerksamkeit zuwendete, -<sofort als den richtigen erfaßt und ausgesprochen hat.

Es sei wiederholt, daß die Unternehmungen des KolonialwirtschaftlichenKomitees aus privater Initiative hervorgegangen und bisher in der Hauptsache mitGeldmitteln, die von den beteiligten Interessenten und Jnteressentenvereinigungen imWege freiwilliger Beiträge aufgebracht wurden, zur Durchführung gelangt sind. DasKomitee hat dadurch eine Unterstützung erfahren, daß ihm aus derWohlfahrtslotteriezu Zwecken der deutschen Schutzgebiete" für seine Baumwollunternehmungen erheblicheBeträge zugewiesen worden sind. Im ganzen beziffern sich die von dem Komitee fürseine Baumwollunternehmungen aufgebrachten Mittel bisher auf etwa 700 ()()() Mark.Wir bleiben mit diesen Beträgen allerdings noch weit hinter England zurück, wo fürdie Zwecke der Lotton KrovinZ ^ssociiation vor einigen Monaten bereits 100 000 ^.Pfd. Sterl. 2 Millionen Mark gezeichnet waren und wo man das Kapital dieserGesellschaft auf 10 Millionen Mark bringen zu können hofft. Immerhin ist es daserste Mal, daß in Deutschland für einen kolonial-wirtschaftlichen Zweck eine solcheSumme' aus freiwilligen Beiträgen aufgebracht worden ist.

Die Kolonialverwaltung hat den Bestrebungen des KolonialwirtschaftlichenKomitees jede mögliche Förderung zuteil werden lassen. Überall arbeiten die Bezirks-amtmänner und Stationsleiter Hand in Hand mit den Organen des Komitees. So-weit es die in den Kolonialetats zur Verfügung gestellten Mittel zulassen, wird derBaumwollbau auch durch eine finanzielle Unterstützung von feiten der Regierung ge-fördert. So wertvoll jedoch diese staatlichen Unterstützungen sind, die Hauptaufgabendes Staates bei den kolonialen Baumwollunternehmungen liegen auf einem anderen,breiteren Felde. Die Quintessenz einer jeden auf wirtschaftliche Ergebnisse gerichtetenKolonialpolitik ist, daß der Staat durch seine Tätigkeit und seine Aufwendungen denRahmen schafft, innerhalb dessen die private Initiative sich erfolgreich betätigen kann;wo überhaupt die natürlichen Voraussetzungen gegeben sind für eine günstige wirt-schaftliche Entwicklung, da wird im Laufe der Zeit die Prosperität der privaten Unter-nehmungen bewirken, daß dem Mutterlande seine Aufwendungen auch rein finanziell ungerechnet alle die indirekten wirtschaftlichen Borteile wieder ersetzt werden.Das gilt insbesondere von der Schaffung leistungsfähiger und billiger Verkehrswege,von deren Vorhandensein in Kolonialgebieten meist die Möglichkeit eines rentabelnWirtschaftsbetriebs in allererster Reihe abhängt. Die Größe der erforderlichen Auf-wendungen und die Unsicherheit über deu Zeitpunkt des Eintritts einer Privatwirtschaft- ^lichen Rentabilität machen den Bau von kolonialen Eisenbahnen für private Unter-nehmer in der Regel unmöglich. Hier muß der Staat eintreten, der mit größerenZeiträumen zu rechnen hat als die einzelnen Individuen und dessen Pflicht es ist, inder Gegenwart diejenigen Opfer zu bringen, welche dazu beitragen können, seine eigeneZukunft sicher zu stellen.

Die Togv-Jnlandbahn und die ostafrikanische Eisenbahn Daressalam Mrogorohaben aus diesem Gesichtspunkt heraus für die Baumwollunternehmungen in den beidenSchutzgebieten eine ganz besondere Bedeutung.

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