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Deutschlands Not : Reichstagsrede, gehalten am 23. Juni 1922 / von Statsminister Dr. Helfferich
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Zurufe und Widerspruch links.) Das Bild des deutsche «Kaiserreichs, das die Macht hatte, sein Tscht zuschützen; das Bild des deutschen Kaiserreichs, das veniger alsirgendein anderer großer Staat der Welt seine Macht mißbrauchthat, um das Recht anderer zu beugen ^sehr richtig!rechts; Zurufe links); das Bild des deutschen Kaiserreichs,dessen Macht Jahrzehnte hindurch der stärkste, sichersteHort des Friedens und gesegneter Arbeit war. (Sehr wahr!und Bravo rechts. Gegenrufe links.) Die Herren, die hierwidersprechen, möchte ich doch bitten, sich etwas in die Doku-ment« zu vertiefen, die das Auswärtige Amt jetzt veröffentlichthat (sehr richtig! rechts). Diese Dokumente sind ein monu-mentalesDenkmaldes Friedenswillens Deutsch-lands , (sehr richtigl rechts), ein monumentales Denkmal desFriedenswillens des Mannes, von dem Sie, meine Herren (nachlinks), der Welt immer nur die Kiirassierstiefeln gezeigt haben!(Sehr wahr S. o. Deutschnat.) Sie sind ein monumentales Denk-mal des Friedenswillens eines Bismarck, der turmhoch überden impotenten Friedensbewegungen steht, denen Sie heute dasWort reden. (Zurufe links.) Die aufrichtigen und einsichtigenFriedensfreunde der Welt hatten alle Veranlassung. Jahr fürJahr in Friedrichsruh am Grabe des Fürsten Vismarck einenKranz von Lorbeer und Palmen niederzulegen. (Beifall rechts.Abg. Maltzahn: Sie sind wohl verrückt! Glocke des Präsi-denten.)

Präsident: Herr Abg. Maltzahn, diese Zurufe sind unge-hörig. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung! (Bravol rechts.)

Dr. Helfferich: Auch für die nachbismarckische Zeit, meineD. und K., steht für jeden, der Einblick in die Geschehnisse hat, derFriedenswille der deutschen Politik außer jedem Zweifel. Auseigener Kenntnis der in der verhängnisvollen Zeit handelndenPersonen möchte ich sogar sagen: Wenn wir in den Krieg umdiesen so oft gebrauchten, von Lloyd George zuerst benutztenAusdruck zu gebrauchen,hereinaeschlittert" sind (Zuruf b. dSoz.: Zuerst von Tirpitz gebraucht!) Sie dürfen sich freuen.Herr Kollege Stampfer. Sie haben ausnahmsweise einmal recht,erst war es Tirpitz. dann Lloyd George und dann viele andere. Wenn wir also tatsächlich in den Krieghineingeschlittert"sind, so vor allem aus dem Grunde, weil Kaiser und Kanzler vondem eigenen Friedenswillen so durchdrungen waren, daß sie beikeiner anderen Persönlichkeit, der die Vorsehung die Verantwor-tung silr die Völker in die Hand gegeben hatte, die Möglichkeitvoraussetzten, daß sie aus einem verhältnismäßig geringen Anlaßdiesen furchtbaren Völkerbrand entfesseln würde.

Das ist der Schlüssel zu manchem Vorgang in dieser Zeit,den di« Welt heute noch nicht recht versteht. (Erneute Zust. rechts.)(Sehr richtig! rechts.)

Aber kehren wir zurück zur Gegenwart! Wenn uns etwasaus der Vergangenheit und aus der Hoffnung für die ZukunftHerausrih und wieder mitten in die rauhe Gegenwart stellte, wenn