Anhang.
Nach der Rede des Abg. Dr. Helsferich leerte sich dasHaus. Auch die Mitglieder der Regierung zogen sichzurück. Es sprachen die Abgeordneten Stoecker (Kommunist),Sollmann (Mehrheitssozialift), Korrell (Demokrat). Erstnach etwa 3 Stunden erschienen der Reichskanzler Dr.Wirth und der Reichsfinanzminister Dr. Hermeswieder an der Regierungsbank.
Dr. Hermes gab nachstehende Erklärung ab:
Meine Damen und Herren! Ich muh zunächst meinem Be-dauern darüber Ausdruck geben, daß ich infolge Teilnahme andringenden Besprechungen über die Umlage verhindert war, vonAnfang an den Ausführungen des Herrn Dr. Helsferich zu folgen.Ich habe daher erst nachher von seinen ersten AusführungenKenntnis nehmen können und möchte mich nun zu diesen Aus-führungen im einzelnen äußern.
Ich darf vorausschicken, dasz die vaterländischen Besorgnisse,die in den Ausführungen des Herrn Abgeordneten Dr. Helsferichzum Ausdruck gekommen sind (Lachen bei den Soz.), wohl vonallen Seiten dieses Hauses geteilt werden. Sie entziehen sichjedem parteipolitischen Kreis und erfüllen vns alle in gleicherWeise, die wir ein gemeinsames Vaterland besitzen. (Sehr gut!b. d. Deutschen Volkspartei .) Aber ich meine, die Ausführungendes Herrn Abgeordneten Dr. Helsferich sind doch weit über dasZiel hinausgegangen und haben zum Teil den Boden einer sach-lichen Betrachtung verlassen. (Sehr richtig! b. d. Deutschen Demo-kraten.)
Der Herr Abgeordnete Dr. Helsferich hat erklärt, er wollenicht mit dem Kopf durch die Wand. Aber er wird es mir nichtverübeln, wenn ich ihm sage, daß ich den Eindruck aus seinenheutigen Ausführungen gehabt habe, daß er wirklich eine solcheProzedur betreiben wolle. Wir sind doch nun einmal — und dasmuß doch immer wieder mit aller Offenheit und Klarheit ausge-sprochen werden — in die harte Notwendigkeit versetzt, das furcht-bare Ergebnis eines verlorenen vierjährigen Krieges zu liqui-dieren. (Sehr richtig! b. d. Deutschen Demokraten.) Das isteine ungeheuer schwere Aufgabe, in deren Lösung sich alle Kreiseunseres Volkes vereinigen sollten, frei von jeder parteipolitischenBetrachtung. (Sehr gut! b. d. Deutschen Demokraten.)
Nun hat der Herr Abgeordnete Helsferich die Noten derNeichsregierung vom 9. und, 28. Mai die verhängnisvollstenSchriftstücke in der deutschen Geschichte genannt. Das muß ich alseine Uebertreibung bezeichnen, die jedes Maß vermissen läßt.Unsere ganze Auseinandersetzung mit der Gegenseite seit demFriedensvertrage ist doch eine Kette schwierigster und zum Teiläußerst drückender Etappen, und die belastendste dieser Etappenwar doch das Londoner Ultimatum. Wenn man ein objektivesUrteil über unsere letzten Noten fällen will, kann man sie dochnur im Zusammenhang mit der Eesamtentwicklu.ng in der Be-handlung des Neparationsprobiems betrachten. (Sehr richtig!b. d. Deutschen Demokraten und im Zentrum.)