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Deutschlands Not : Reichstagsrede, gehalten am 23. Juni 1922 / von Statsminister Dr. Helfferich
Entstehung
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Der Herr Abgeordnete Helfferich wird nicht bestreiknkönnen, daß seit dem Londoner Ultimatum eine Entspannungder Lage und eine Erleichterung in den Leistungen eingetreten ist,die tatsächlich im Laufe des Jahres 1922 seitens Deutschlands zuerfüllen sind. Diese Erleichterung war notwendig darin sindwir alle einig, Wenn unser Volt und unsere Wirtschaft amLeben bleiben sollte. Ich möchte aber einen Zweifel darüberaussprechen, ob es gelungen wäre, diesen Weg zu gehen mit denMethoden, die heute hier der Herr Abgeordnete Helfferichwiederum empfohlen hat. (Sehr gut! b. d. Deutschen Demokraten^und im Zentrum.) Möglich war das Begehen dieses Weges doch'-«ur dadurch, daß die Reichsregierung unausgesetzt bemüht ge-wesen ist, das Urteil des Auslandes Wer unsere währe Leistungs-fähigkeit zu einem gerechteren und sachlicheren zu gestalten. (Sehrrichtig! b. s, Deutschen Demokraten und im Zentrum.) Das ist«in äußerst schwieriges Verfahren, das große Geduld und Zähig-keit erfordert und lange Zeiträume für sein Gelingen beansprucht.Es ist unbillig und ungerecht, mit einem anderen Maßstab andiese Dings heranzutreten. (Sehr richtig! b. d. Deutschen Demo-kraten und im Zentrum.)

In der Grundlinie dieser politischen Auffassung haben sichauch die Pariser Verhandlungen bewegt. Voraufgegangen waren,wie den Damen und Herren bekannt ist, die Verhandlungen inder Finanzkommission auf der Konferenz in Genua . Es war nichtzuletzt durch die deutsche Mitarbeit möglich, in der Finanzkom-mission der Genueser Konferenz Leitsätze zur Anerkennung zubringen, die für die Beurteilung unserer Lage von besonderer Be-deutung waren. Es ist zum ersten Male von einem großen inter-nationalen Expertengremium anerkannt worden, daß es unterden heutigen Verhältnissen Staaten gibt, deren Passivität derZahlungsbilanz so schwer auf ihnen lastet, daß sie nicht in derLoge sind, aus eigener Kraft ihr Budget zu balanzieren. Daswar ein Fortschritt, den zu übertreiben mir vollkommen fern liegt;aber wir müssen jede auch noch so leichte Entspannung in unsererheutigen schwierigen Lage begrüßen.

Es war notwendig, diese Erkenntnis, die auf der GenueserKonferenz gewonnen war, auch in den Verhandlungen und in denBesprechungen mit den einzelnen Mitgliedern der Reparations-kommission zur Anerkennung zu bringen. Das ist gelungen. Auchdie Mitglieder der Neparationskommission haben sich der Not-wendigkeit nicht verschließen können, diesen Verhältnissen ReS)-nung zu tragen. Auch d>i5 ist ein Fortschritt.

So gelang es, den Gedanken der Anleihe in den Pariser Be-sprechungen in den Vordergrund zu schieben. Wir haben abernie das darf ich einmal hier mit Nachdruck feststellen dieAnleihe um ihrer selbst willen verfolgt, sondern wir haben siein einer Form angestrebt, daß ihr letzter Sinn und ihre letzteWirkung darin bestehen muß, die Wiederherstellung eines gesun-den wirtschaftlichen Lebens in Europa zu ermöglichen. lSehrrichtig! b. d. Deutschen Demokraten und im Zentrum.) Im Falls5MMMöens. d§x MMs MM SW UM serAiKtet, gewiss«