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Der Prozeß Erzberger-Helfferich : ein Rechtsgutachten / mit einem Begleitwort von Siegfried Löwenstein
Entstehung
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Begleitwort.

Erzberger ist tot; die Kugeln der Mordbuben vonGriesbach haben das Werk vollendet, das durch den jahre-lang gegen ihn geführten Verleumdungsfeldzug so viel-verheissend in die Wege geleitet war. Gegen Mörder-kugeln aus dem Hinterhalt gibt es keinen Schutz undkeine Abwehr. Aber auch dem Angriff auf die Ehre,wenn er wohl vorbereitet einen Sorglosen trifft, ist schonmancher erlegen, dem die Abwehr bei ruhiger Ueberle-gung und klarer Erkenntnis der Gefahr leicht gewesenwäre. Den Angriffen Helfferichs hat sich Erzberger imVertrauen auf die Güte seiner Sache und die Nichtigkeitder gegen ihn erhobenen Vorwürfe freiwillig und kamp-fesfroh gestellt. Es wäre ihm ein leichtes gewesen, denProzess, der erst durch den von ihm selbst gestelltenStrafantrag überhaupt ermöglicht wurde, zu vermeiden,wenn er den Kämpfen hätte ausweichen wollen oder gareine Niederlage befürchtet hätte. Auch noch inmittendes Prozesses bot sich Gelegenheit, den Kampf zu einerZeit abzubrechen, als die Sache Helfferichs vor der Oef-fentlichkeit verloren war. Damals, als ihn die Kugeldes Junkers Oltwig v. Hirschfeld beim Verlassen des Ge-richts an der Brust verwundete, würde niemand ihm einenVorwurf daraus gemacht, oder es gar als Rückzug bezeich-net haben, wenn er länger als 3 Tage der Verhandlungnicht beiwohnen zu können erklärt hätte. Dann mussteder Prozess auf unbestimmte Zeit vertagt werden undebenso, wie das Verfahren wegen Beleidigung des Staats-sekretärs v. Kühlman nach seiner erstmaligen Vertagungnie wieder verhandelt wurde, wäre nach menschlicherVoraussicht auch diesem Prozess das gleiche Schicksalbeschieden gewesen. Erzberger wäre als Sieger und

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