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Der Prozeß Erzberger-Helfferich : ein Rechtsgutachten / mit einem Begleitwort von Siegfried Löwenstein
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obendrein als Märtyrer seiner politischen Ueberzeugungaus dem Prozesse hervorgegangen. Es wäre eingetreten,was Herr Helfferich selbst im Gerichtssaal durch denMund seines Verteidigers als die Folge des Hirschfeld-schen Ueberfalls bezeichnet hatte, nämlich, dass ihm durchdieses Attentat die Waffe, die er gegen Erzberger erhobenhabe, aus der Hand geschlagen sei. Aber diesen leichten,wenn auch sicheren Sieg hat Erzberger verschmäht, ver-trauend auf sein gutes Recht und vertrauend darauf, dassdas Gericht ihm dieses gute Recht nicht versagen würde.Grossmütig und tapfer hat er selbst die Waffe, die seinemGegner nach dessen eigenem Geständniss aus der Handgeschlagen war, aufgehoben und ihm zurückgegeben, in-dem er sich während er noch schwer unter den körper-lichen und seelischen Wirkungen des auf ihn verübtenAttentats litt und dadurch in seiner Verteidigung sehr be-hindert war, rechtzeitig zu weiterer Verhandlung demGericht stellte. So handelt nur ein Mann, der festes Ver-trauen zu der Güte seiner Sache hegt und deshalb deneinmal aufgenommenen Kampf selbst mit Gefahr seinesLebens nicht eher aufgibt, bis das eigene Recht und dasgegnerische Unrecht vor aller Augen klar zu Tage liegt.Gerade sein Verhalten nach dem Hirschfeld'schen Atten-tat ist nur mit der Siegeszuversicht Erzbergers zu erklä-ren und diese Siegeszuversicht hinwiederum kann bei die-sem, jeden Vorteil einer Situation schnell und klar erfas-senden mit einem überaus scharfen Verstand begabtenManne nur damit erklärt werden, dass er die Möglich-keit einer Niederlage im Prozess gerade mit Rücksicht aufdas Vollgefühl der Haltlosigkeit der gegen ihn erhobenenAnschuldigungen garnicht in den Kreis seiner Berech-nung zog. Und in der Tat lag hierzu auch kein Anlassfür ihn vor. Was bisher an ernsten ehrenrührigen Tat-sachen vom Gegner behauptet war, kannte er und wusste,dass es beweislos bleiben würde, wie dies ja auch dasGericht demnächst hinsichtlich der bedeutungsvollstendieser Vorwürfe im Urteil ausgesprochen hat. Aber dar-über hinaus hat Erzberger, indem er sich damit einver-standen erklärte, dass nicht nur die ihm bisher von Helf-