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der Flotte geglaubt habe. Um dieser Auffassung, die er stets,auch in der Sitzung der Nationalversammlung vom 18. Febr.1919, bekämpft habe, entgegenzutreten und um sein Ver-trauen zu der weiteren Entwicklung zu zeigen und dadurchBeruhigung zu schaffen und die Stimmung zu heben, nichtzu Spekulationszwecken, will er daher den Ankauf vorge-nommen haben, über seine zuversichtliche Aussussung, sowieüber den Kauf und seine Motive auch überall gesprochen, auchMinisterkollegen zu gleichem Vorgehen aufgefordert.
Daß Erzberger damals wohl die Ansicht gehabt habe,daß die Flotte nicht verloren sei, sondern Deutschland sie zu-rückerhalten werde, kann aus der Aussage des Zeugen MajorDüsterberg geschlossen werden, dem er anfangs April 1919in Spa auf eine Frage hierüber erwiderte, Lloyd George habe ihm durch einen Mittelmann sagen lassen, wir würdensie zurückbekommen, und er, Erzberger, glaube daran.
Es bestätigt ferner der Zeuge Minister Giesberts, daßErzberger ihm bei einem Gespräch im Frühjahr 1919 vonseinem Aktienankauf erzählt und, auch ihm geraten habe,sein Geld in Schiffahrtsaktien anzulegen, um durch ein Bei-spiel, das die Minister gäben, das Vertrauen im Publikumwieder zu heben, daß die Schiffahrt erneut hochkommenwerde und die Aktien steigen würden.
Trotzdem hat das Gericht nicht die Ueberzeugung er-langt, daß die Absicht, das allgemeine Zutrauen zu der Zu-kunft der deutschen Schiffahrt wieder Zu erwecken, das allei-nige oder auch nur das Hauptmotiv für jenen Kauf gewesenist- denn selbst wenn Erzberger auch bei weiteren Gelegen-heiten anderen Einzelpersonen von diesem erzählt haben mag,so erfuhr doch die Allgemeinheit, auf die es gerade wirkensollte, hiervon nichts, und es konnte jene Wirkung kaumeintreten. Dies aber mußte auch ihm selbst klar sem.
In Wahrheit erkannte er, daß die Schiffe zurückgegebenwerden, oder, wenn dies nicht geschehe, die Schiffsgesellschaf-ken entschädigt werden würden, eine Folge, milk der er in sei-ner einflußreichen Stellung und bei!ssinen amtlichen Kennt-nissen gerechnet haben muß, wie er sich denn auch nach seinerAngabe bereits im Februar oder März 1919 in mehrfachenUnterredungen andern Reedern gegenüber für eine ord-
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