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rung, daß er nicht an dem Sturze des Kanzlers gearbeitethabe, vermag jene Tatsachen nicht zu erschüttern. WennGiesberts und die Zentrumsfraktion — trotz der von Spähnbekundeten Aeußerung Erzbergers in der Sitzung vom 7. Juli
— weiter noch einige Zeit hindurch den Eindruck hatten, Erz-berger wolle von Belhmann halten, und er es diesen auch er-klärt haben mag, was nach seiner Angabe in einer Sitzungvom 9. Juli noch in der Form geschehen sein soll, daß keinAbgeordneter einen Druck auf den Kanzler ausüben solle unddie Hauptsache nur eine klare Stellungnahme der Regierungsei, (der Fraktionsvorstand hat sich erst am 9. Zuli nachmit-tags und die Fraktion sich am 12. Juli dahin ausgesprochen,daß das Verbleiben von Bethmanns ein Hindernis für denFrieden sei), so widersprach dem gerade sein kaksächliches Ver-halten, das er bei jenen Besprechungen bewies. Ob auchnoch aus anderen Erklärungen Erzbergers Widersprüche her-vorgehen — so erklärte er dem Zeugen Frhrn. von Stein am9. oder 19. Zuli, >der Reichstag werde die Resolution anneh-men und der Kanzler im Amte bleiben und am 19. vormittagsdem Kronprinzen, der Kanzler müsse fort, da er einen Friedennicht schließen könne — kann völlig dahingestellt bleiben: siemögen sich in gewisser Weise dem Wechsel der Situation undder Person, mit der er sprach, angepaßt haben: auch ist esohne Belang, ob tatsächlich bereits die Unterredung der. Ab-geordneten mit der Obersten Heeresleitung, die dann kaksäch-lich nicht stattgefunden hat, fest verabredet war und dann dieMeinung entstand, der Kanzler habe sie unmöglich gemacht,
— von Bethmann erklärt es als Zeuge ausdrücklich für un-wahr, daß er den Verkehr der Abgeordneten mit der Ober-sten Heeresleitung verhindert habe: — denn die Klarlegungder Absichten Erzbergers an Stresemann erfolgte bereits, eheer von der geplanten alsbaldigen Rückreise der Heerführerund der Absage der Unterredungen Kenntnis haben konnte.
Hiernach ist das Gericht Äer Ueberzeugung, daß Erzber-ger bereits bei seinem Vorschlag vom 6. Juli >die Beseitigungvon Behtmanns wollte. Seine Erklärung diesem gegenüberam 6. Zuli nachmittags sprach aber von dem genauen Gegen-teil von der Schaffung einer tragfähigen Mehrheit für ihn,also von der Absicht ihn zu stützen. Es kann zwar nicht ver-