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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / Karl Helfferich
Entstehung
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Die Regierungen Englands, Ensslands und Frankreichs haben geglaubt, durch die Veröffentlichung ihres diplomatischenSchriftwechsels aus den Tagen vor dem Ausbruch des Welt-krieges vor den Augen ihrer eigenen Völker und der gesamtenKultnrwelt den Beweis führen zu können, dass die Schuld andem gewaltigsten Blutvergiessen, das jemals die Erde erlebt hat,lediglich auf daskriegslüsterne Deutschland " entfällt, unddass sie ihrerseits alles getan haben, um die Katastrophe zu ver-meiden. England hat ein Blaubuch, Russland einOrangebuch, Frankreich ein Gelbbuch der Oeffentlich-keit übergeben. Eine Reihe von Anzeichen sprechen dafür,dass diese Veröffentlichungen, die sich den Anschein der Voll-ständigkeit geben, wichtige Lücken aufweisen, und speziell imFalle des französischen Gelbbuches kann der Nachweis alserbracht angesehen werden, dass gewisse dort wiedergegebeneDokumente nachträglich fabriziert worden sind. 1 ) Trotzdem

J ) So enthält das Gelbbuch in seinem I. Kapitel, betiteltaver-tissements", eine Reihe von Dokumenten, die, vom März 1913 be-ginnend, die Zunahme der Kriegsstimmung in Deutschland beweisensollen. Darunter befindet sich als No. 5 eine vom 30. Juli 1913datierte Aufzeichnung des französischen Ministeriums des Aus-wärtigen, in der es heisst:

,,M. von Kiderlen fut l'homme le plus haï de l'Allemagne, l'hiverdernier. Cependant il commence à n'être plus que déconsidéré, caril laisse entendre qu'il prendra sa revanche' 1 (Herr von Kiderlenwarim letzten "Winter der bestgehasste Mann in Deutschland . Indessenfängt er an nur noch missachtet (statt gehasst) zu sein, denn er gibtzu verstehen, dass er seine Rache (für Marokko ) nehmen wird).

Staatssekretär von Kiderlen, der hiernach im Juli 1913 anfingauf Rache zu sinnen, war bereits im Dezember 1912 gestorben, eineTatsache, die demjenigen Beamten des Quai d'Orsay, der diesesCelbbuchdokument nachträglich fabriziert hat, offenbar nicht gegen-wärtig war.

Ein ähnliches Missgeschick ist mit einer Aufzeichnung passiert,die nach dem englischen Blaubuch Herr Paul Cambon , französischerBotschafter in London , angeblich am 30. Juli 1914 dem englischenStaatssekretär des Aeussern überreicht hat, und deren Inhalt sich

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