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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / Karl Helfferich
Entstehung
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verdienen die Veröffentlichungen ein sorgfältiges vergleichen-des Studium.

Es soll hier nicht der Versuch gemacht werden, den ausser-ordentlich verwickelten diplomatischen Kreuz- und Querzügen,die dem Ausbruch des Krieges vorangingen, in allen ihrenEinzelheiten nachzugehen. Vielmehr kommt es hier nur dar-auf an, die wichtigsten Vorgänge, die den Krieg herbeigeführthaben, an der Hand der von den Dreiverbandsmächten selbstgelieferten Beweisstücke vor der "Welt darzulegen.

Zu diesem Zwecke sollen zunächst diejenigen Schritte fest-gestellt werden, die den Kriegsausbrucli unmittelbar veranlassthaben. Hiervon ausgehend sollen die Fäden nach rückwärtsverfolgt und nach Möglichkeit entwirrt werden.

Der Brandstifter. :

Ueber den unmittelbaren Anlass zum Kriegsausbruch:kann ein Zweifel nicht bestehen. Der Anlass war die am31. Juli frühmorgens von dem Zaren angeordnete allge-.meine Mobilmachung der russischen Streitkräftezu Wasser und zu Lande und die Weigerung Eusslands,diese Massnahme, dem Verlangen Deutschlands entsprechend,rückgängig zu machen.

Es ist wichtig, gleich hier festzustellen, dass die russische Regierung sich darüber vollkommen im klaren war, dass dieAnordnung der allgemeinen Mobilmachung und die Aufrecht-erhaltung dieser Massnahme den Krieg mit Deutschland unver-meidlich machen musste. Auf offiziellem und inoffiziellemWege ist der russischen Regierung rechtzeitig mit allem Nach-druck klar gemacht worden, dass eine russische allgemeineMobilmachung gleichbedeutend mit der deutschen Mobil-machung, und die deutsche Mobilmachung gleichbedeutend mit

auf die' deutschen militärischen Vorbereitungen an der elsass-lothringischen Grenze bezieht (Blaubuch No. 105, Anlage 3). Durchdie Datierung dieser Note vom 30. Juli soll der Eindruck erweckt-werden, als ob damals und bereits in den Tagen vorher die deutschenTrappen schon hart an der Grenze gestanden und durch Patrouillendie Grenze sogar überschritten hätten. Die Notiz beginnt im "Wort-laut der dritten Ausgabe des Blaubuches : ,, L'armée allemande a sesavant-postes sur nos bornes-frontières, hier par deux fois des pa-trouilles allemandes ont pénétré sur notre territoire" (die deutsche Armee hat ihre Vorposten an unserer Grenze, gestern sind deutsche Patrouillen zweimal in unser Gebiet eingedrungen).

Gestern" heisst in einer am 30. Juli überreichten Notiz natür-lich der 29. Juli. Der 29. Juli war ein Mittwoch. In dem erstenDruck des Blaubuchs hiess aberhier, vendredi" (gestern, Freitag) ;der vendredi ist erst später, als man die Unstimmigkeit bemerkte,gestrichen worden. Hieraus ergibt sich, dass die angeblich am30. Juli überreichte Notiz überhaupt erst am Sonnabend, 1. August,verfasst sein kann, ganz abgesehen davon, dass weder am 29.noch am 31. Juli eine Gronzüberschreitung stattgefunden hat.