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Massnahmen, die nach der Darstellung seiner Regierung einenGrund zur russischen allgemeinen Mobilmachung gebildethaben sollen.
Die Unwahrhaftigkeit der Begründung der russischen all-gemeinen Mobilmachung mit deutschen Massnahmen wird völligklar gestellt durch die Tatsache, dass das französische Gelb-buch bestätigt (No. 102), dass der russische Generalstabschefdem deutschen Militärbevollmächtigten noch am 29. Juli seinEhrenwort gegeben hat, dass die militärischen MassnahmenRusslands ausschliesslich gegen Oesterreich-Ungarn, nicht auchgegen Deutschland gerichtet seien. Wenn Russland von mili-tärischen Massnahmen Deutschlands zu wissen glaubte, hättedann der russische Generalstabschef irgendeine Veranlassungzu einem solchen Ehrenwort gehabt'? Und wenn nachträglichder russischen Regierung Mitteilungen über bedrohliche deutsche militärische Vorbereitungen zugegangen wären — wie diesHerr Sasonofí zwar gegenüber dem französischen und eng-lischen Botschafter, niemals aber gegenüber dem deutschenBotschafter behauptete —, hätte dann nicht der russische Generalstabschef auf Grund des gegebenen Ehrenwortesdie dringendste Veranlassung gehabt, sich gegenüber demdeutschen Militärbevollmächtigten über die durch solche Nach-richten veränderte Situation auszusprechen, und dies bevor"der nicht mehr gut zu- machende Schritt der allgemeinenrussischen Mobilmachung erfolgte? Nichts von alledem ist ge-schehen. Russland hat seine allgemeine Mobilmachung ledig-lich dritten Mächten gegenüber mit den angeblichen deutschenMassnahmen begründet, gegenüber dem deutschen Kaiser,dem deutschen Botschafter und dem deutschen Militärbevoll-mächtigten jedoch niemals ein Wort der Anfrage, geschweigedenn der Beschwerde über die angeblichen deutschen Vorbe-reitungen verlauten lassen, vielmehr stets beruhigende Ver-sicherungen abgegeben.
3) Die Weigerung Oesterreich -Ungarns, eineIntervention der Mächte zuzulassen. —Diese von demenglischen Botschafter nach London übermittelte Begründungwirkt geradezu grotesk im Znsammenhalt mit der Tatsache,dass einmal ein neuer von Sir Edward Grey ausgehender Vermittlungsvorschlag von der deutschen Regierung an dieösterreichisch-ungarische Regierung tags zuvor weitergegebenworden war und dass die Antwort Oesterreichs auf diesenVorschlag noch ausstand; dass ferner am 30. Juli Nachmittagsin Wien eine Besprechung zwischen dem Grafen Berchtold und dem russischen Botschafter stattgefunden hatte, die derfranzösische Botschafter in Wien sofort als eine Unterhaltungvon hoher Wichtigkeit („un entretien de haute importance")nach Paris telegraphierte und die nach seiner Ansicht ge-stattete zu glauben, dass noch nicht jede Aussicht auf eineLokalisierung des Konflikts verloren sei („permettait de croire