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Die Entstehung des Weltkrieges im Lichte der Veröffentlichungen der Dreiverbandmächte / Karl Helfferich
Entstehung
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que tonte chance de localiser le conflit n'était pas perdue").(Gelbbuch No. 104.)

Der von Sir Edward Grey am 29 . Juli gemachte Ver-mittlungsvorschlag besagte: Oesterreich-Ungarn soll sich ver-pflichten, nach der Einnahme von Belgrad und des serbischenGebit ts an der Grenze nicht weiter vorzurücken, während dieMächte versuchen würden zu erreichen, dass Serbien an Oester-reich-Ungarn eine dieser Monarchie genügende Genugtuunggebe. Das von der österreichisch-ungarischen Armee okkupierteTerritorium solle nach geleisteter Genugtuung wieder geräumtwerden. Sir Edward Grey teilte diesen Vorschlag am 30. Julidem englischen Botschafter in Petersburg mit und fügte hinzu:"I suggested this yesterday as a possible relief to thesituation, and, if it can be obtained, I would earnestly hopethat it might be agreed to suspend farther militarypreparation^ on all sides" (Ich regte dies gestern an alseine mögliche Erleichterung der Situation, und wenn dieseerreicht werden kann, würde ich ernstlich hoffen, dass mandahin übereinkommen könnte, weitere militäiischeVorbereitungenauf allen Seiten einzustellen). (Blaubuch No. 103.)

DieserVorschlag wurde von Deutschland an die österreichisch-ungarische Kegierung weitergegeben und befürwortet, des-gleichen von dem französischen und englischen Botschafterbei der russischen .Regierung (Gelbbuch No. 112). Der Vor-schlag war von Oesterreich noch nicht beantwortet und auchRussland hatte noch keine Stellung zu ihm genommen, alsdie allgemeine russische Mobilmachung erfolgte. Die Be-hauptung, die allgemeine russische Mobilmachung sei not-wendig geworden, weil Oesterreich-Ungarn jede Interventionder Mächte ablehnte (Blaubuch No. 113), steht also im striktenWiderspruch zu dem aus den englischen und französischen Dokumenten sich ergebenden Sachverhalt.

Viel wichtiger als die Tatsache, dass Russland die all-gemeine Mobilmachung ausspielte, während seiner und derÖsterreich -ungarischen Regierung ein noch unerledigter eng-lischer Vermittlungsvorschlag vorlag, ist die am Vorabend derrussischen allgemeinen Mobilmachung stattgehabte direkteUnterhaltung zwischen dem russischen Botschafter in Wien ,Herrn Schebeko, und dem Grafen Berchtold . Es sei daranerinnert, dass, nachdem der erste Konferenzvorschlag SirEdward Greys auf Schwierigkeiten gestossen war, Sasonoftselbst die Initiative zu direkten Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn ergriffen und dass diese Initiative in Wien zunächsteine Ablehnung gefanden hatte (Blaubuch No. 74). In der Be-sprechung vom 30. Juli wurden die der direkten Ausspracheentgegenstehenden Schwierigkeiten beseitigt. Nach dem an-geführten Bericht des französischen Botschafters (GelbbuchNo. 104), dem der russische Botschafter, ebenso wie seinemenglischen Kollegen, alsbald nach der Unterredung Mitteilung