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Auswärtigen in Verbindung zu setzen, diesem Aufklärungenüber das österreichisch -ungarische Ultimatum an Serbien zugeben und alle die österreich-ungarisch-russischen Beziehungenbetreffenden Anregungen und Fragen zu diskutieren. '-SirEdward Grey fugte hinzu, er habe mit grosser Genugtuungvon dieser Wiederaufnahme der direkten Aussprache zwischenOesterreich-Ungarn und Russland Kenntnis genommen.
Im Gegensatz zu den Behauptungen des französischen Gelbbuches, dass Deutschland in keinem Stadium in Wien emsthaft zu einem versöhnlichen Entgegenkommen geratenhabe, steht also fest, dass auf die Intervention des DeutschenKaisers hin die österreichisch-ungarische Eegierung sich am30. Juli nachmittags dem bisher standhaft abgeschlagenenrussischen Wunsch nach einer Diskussion der Note an Serbien fügte. Es wird ferner durch das französische Gelbbuchbezeugt, dass der russische Botschafter in Wien der versöhn-lichen Erklärung des Grafen Berchtold den grössten Wertbeimass und von dieser Erklärung sofort seine französischenund englischen Kollegen unterrichtete. Es steht ferner nachdem französischen Gelbbuch fest, dass der französische Bot-schafter in Wien ans dem Entgegenkommen des GrafenBerchtold die Hoffnung auf eine Lokalisierung des Konfliktsherleitete und dass der englische Botschafter, ohne erst inLondon rückzufragen, das vollständige Einverständnis desForeign Office mit dem zwischen dem Grafen Berchtold unddem russischen Botschafter besprochenen Vorgehen aussprach.
Es ist aber weiter eine Tatsache, dass das russische Orangebuch keine Spur von diesem entscheidenden Entgegen-kommen Oesterreich-Ungarns aufweist, und schliesslich, dassdieses entscheidende Entgegenkommen Oesterreich-Ungarns vonder russischen Regierung mit der allgemeinen Mobilmachung -beantwortet wurde, die den Krieg unvermeidlich machte.
Dazu kommt, dass die allgemeine Mobilmachung denbeiden Entente-Genossen Russlands, die das EntgegenkommenOesterreichs laut ihrer eigenen Dokumente als eine Friedens-hoffnung mit grosser Genugtuung begrüssten, gänzlich über-raschend kam. Beweis dafür: Am 31. Juli, um 7 Uhr abends,sprach der deutsche Botschafter in Paris bei dem französischen Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen, HerrnViviani, vor, um ihm mitzuteilen, dass Deutschland durch dieallgemeine russische Mobilmachung gezwungen worden sei,den Zustand der drohenden Kriegsgefahr zu proklamieren undan Russland die Forderung der Demobilisation zu stellen.Darauf hat Herr Viviani geantwortet, „er sei über die angeb-liche Mobilisation der russischen Armee und Marine in keinerWeise unterrichtet" („nullement renseigné sur une prétenduemobilisation totale de l'armée et de la flotte russes") (GelbbuchNo. 117). Auch der englische Botschafter in Paris berichtetenoch am späten Abend des 31. Juli an das Foreign Office, dass