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aufloderte, — allerdings dann könnte aus der FabelDeutschland eine Wahrheit werde», — aber dann hießeja deutsch sein nicht blind sein nnd Elend wäre nichtunser Erbtheil.
Was am meisten bei dem ganzen Vorgang empört,das ist zu sehen, auf welche Manier künstlich und dia-bolisch eine öffentliche Meinung gemacht werden kann,welche gar nicht naturgemäß aus dem eigenen Wesendes deutschen Volkes entspringt. Das gcsammte Ausland,welches dermalen unter dem Glauben lebt, es handle sichhei uns um eine großartige spontane Erhebung, um einenlebendigen Ausbruch innerer Gluthgcfühle, möge immer-hin in diesem Wahne befangen bleiben. Es möge unsdieser Wahn in seinen Augen noch mit einer gewissenGlorie umgeben, denn ein freiwilliger und mit edlemSelbstgefühl zusammenhängender Irrthum gleicht doch vonferne einer Aeußerung nationalen Lebens. Aber unteruns dürfen wir uns gestehen, daß der ganze Sturm nurkünstlich zusammengcblasen und aus den kläglichsten Ele-menten aufgewirbelt ist. Im deutschen Charakter liegtweder der glühende Nationalhaß gegen das Ausland, nochdie katholische Bigotterie, noch die Eroberungs- undHerrschsucht über fremde Völker, welche jetzt auf Anord-nung der östreichischen Polizei überall in Musik gesetztund in den Gassen losgelassen werden. Der Deutsche —das ist ja bekannt — ist kosmopolitisch, anerkennendund vorurteilsfrei. Die Bcrscrkerwuth, die man ihmjetzt einredet, ist nur mit bornirtem Nationalgefühl ver-einbar, von denr er nichts weiß. Aber das ist das