15
Kläglichste in der Weltgeschichte, daß die großen Massennickt einmal selbst die Vorurthcile erzeugen, mittelst derenman sie zum gefügigen Spiel- und Werkzeug ibrer Herrenmacht. Nicht die Blutströme sind das Traurigste in denAnnalen der Menschheit, sondern die vergifteten Quellendenen sie entspringen. Wie in den Religionskriegen dieVölker von Fürsten und Pfaffen für dogmatische Spitz-findigkeiten fanatifirt wurden, um Hofinteresscn, Kloster-güter und Landeshoheiten zu vertheidigen, so wird jetztein autifranzösischer und antiitalicnischer Nayenhaß ein-getrichtert, um Habsburgs Gut mit teutschem Blut undKurhessische Souveränes mit einer Intervention in derLombardei zu vertheidigen. Ist doch der ganze Wahn-witz des Nationalhasscs nur ein Vcrmächtniß der Feudal-herrschaft und der Unersättlichkeit adliger Raubritterschaft,welche der Plünderung fremder Länder zu lieb das edleKriegshandwerk ergriff und durch die Konsequenz hun-dertjährigen Unfugs das Ungcthüm der Nationalfeind-schaften großgezogen bat. War der Bauer in der Nor-mandie jemals lüstern nach den Feldern seines Unglücks-gcnoffcn in der Pfalz, oder träumte der Handwerker inder Lausitz von dem Besitz der Gefilde am Po und amTessin? Nein! aber Monarchen und Raufbolde, welchevon Hofhistoriographen zu erbabcncn Erscheinungen ge-stempelt worden, schleppten in erbarmungsloser Unersätt-lichkeit den Bauclnsohn vom Pflug hinweg (wenn sieihn nicht lieber geradezu für blankes Geld verkauften)und zwangen ihn, sich auf den gleich elenden Bauerneines andern Landes zu werfen, und nachdem das