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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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leicht auch dem Nüchternen passiren, dass er die Dingeetwas zu abendröthlich vergoldet anschaut und dasunermessliche Feld schwerer Zukunftsprobleme aus demAuge verliert. Aber so gute Momente dauern heil-samer Weise auch nicht länger als eine Dämmerstunde.Dann sorgt die rauhe Wirklichkeit schon wieder fürdie Herstellung des europäischen Gleichgewichts in derEmpfindung eines hessendarmstädtischen Unterthanen.Wie ich an den Ort meiner Bestimmung im Westphä-lischen ankam, fiel ich in eine Schaar von Philisternhinein, die mit ihrer Begeisterung die meinige sofortauslöschten. Nichts bringt den Enthusiasmus so ur-plötzlich zum Stehen, wie wenn ein paar wollene undbaumwollene Strumpfweberseelen ihn überbieten. Auchdiesmal bewährte sich an mir dies homöopathische Re-cept.Nein! rief einer dieser grundkonservativenerzloyalen Herren mir entgegen,Nein! dieser GrafBismarck! ist das ein grosser Mann! War das einegrosse Idee! diese Süddeutschen nach Kiel und Ham-burg zu führen und ihnen zu zeigen, was Norddeutsch-lands Natur und Cultur vermag! Welch ein Genie-streich!Aber um Gottes Willen, mein Verehr-tester (und in der Tiefe meines Herzens bedachte ichihn mit einer ganz anderen Titulatur), unterbrach ichihn im Strom seiner Exstase,wie denken Sie sichdenn so einenSüddeutschen? Meinen Sie vielleicht,