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Vertrauliche Briefe aus dem Zollparlament : <1868 - 1869 - 1870> / Ludwig Bamberger
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tung von dem künftigen Zollparlament unwillkürlichdie Erinnerung herauf an jene'unendlich ergreifenden Mo-mente, von denen wir in den Schilderungen des 17. Junioder des 4. August 1789 lesen, da in einer drama-tischen Sitzung der dritte Stand sich zur Natio-nalversammlung erweiterte oder der gesammte Adel seinePrivilegien auf den Altar des Vaterlandes nieder-legte. So ungefähr, träumte man dunkel, könnte einesTags unter dem Andringen einer hinreissenden Begei-sterung das Zollparlament, sich aufraffen und zum wahrenvollen Vertreter der gesammten Nation emporschiessen.Aber w'eder Zeit noch Umstände, noch der Geist unseresVolkes entsprechen dergleichen überschwänglichen Be-wegungen. Auch hat in deutschen Landen aller Gefühls-überschuss seinen breiten und stets befahrenen Ableitungs-kanal in der unendlichen Reihe der Festmale und Trink-spriiche, denen wir Jahr aus Jahr ein obliegen. Dahin leitenwir das Uebermass unserer Begeisterungsfülle, und so, be-freit von aller Gefahr verzehrenden Feuereifers, besorgenwir mit um desto grösserer Bedächtigkeit die Aufgabender praktischen Politik. Sollte es einmal dem Deus exmachina, dem himmlischen Zufall, beikommen, uns mittenim Zollparlament mit einer grossen nationalen Thatzu überraschen, um so besser! Nur in unsre Berech-nung sie aufnehmen, dürfen und wollen wir nicht länger.Der Augenblick, in dem sie, w r enn überhaupt, denkbar