Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Zuthun einen Goldumlauf erhalten hatten, nicht daran dachten, freiwilligzu einem überwiegenden Silberumlauf zurückzukehren.

Die Erscheinung, daß trotz einer fast zwauzigfachen Steigerung derGoldproduktion und trotz einer bei ungefähr gleichbleibender Silber-gewinnung enorm gewachsenen Silberuachfrage für Indien das Wert-verhältnis beider Edelmetalle nur eine Verschiebung um wenige Prozenteerfuhr, war geeignet, das namentlich bei den Theoretikern erschütterteVertrauen auf das gelbe Metall aufs neue zu befestigen. Die Wert-beständigkeit des Goldes schien die stärkste Feuerprobe glänzend über-standen zu haben. Die Länder des franzosischen Systems lernten inkurzer Zeit die Vorzüge einer überwiegenden Goldzirkulation schätzen, undimmer allgemeiner verbreitete sich die Ansicht, weit über die Grenzen derLänder mit Goldumlauf hinaus, daß die Goldwährung das Währungs-system der Zukunft für alle- civilisierten Nationen sei.

Die Gründe, welche das Gold befähigten, trotz der unerhörtenProduktioussteigerung uud trotz der stark gesteigerten indischen Silber-nachfrage feinen Wert im Verhältnis zum Silber im wesentlichen zu be-wahren, sind bereits angedeutet. Sie lagen darin, daß die Länder derFrankenwährung vermöge der Wirkung ihres bimetallistischen Systems,sobald der Goldwert unter die gesetzliche Relation herabgegangen war,oas Gold in großen Massen anfnahmen und ihren bisherigen Silber-umlauf dem Weltmarkt zur Verfügung stellten; mit anderen Worten:die Länder des Frankensystems paralysierten vermittelst einer durch ihrbimetallistisches System ermöglichten automatischen Änderung ihres that-sächlichen Währungszustandes die Tendenzen, welche das Wertverhältnisbeider Metalle gewaltig zu verschieben drohten. Sie stellten dein massen-haften Goldangebot eine intensive Goldnachfrage entgegen, dem erheblichgesteigerten Begehr nach Silber gegenüber gaben sie ihren bisherigenstarken Silberumlauf frei. So kam es, daß der Wert des Goldes imVerhältnis zum Silberwert zwar nicht unverändert blieb, aber doch nurum wenige Hundertteile zurückging.

Wenn wir die Thatsache, daß durch die Wirkungen des französischen bimetallistischen Systems damals eine starke Verschiebung des Wert-verhältnisses der beiden Edelmetalle verhindert wurde, rückhaltlos zu-geben, so stimmen wir damit nicht den allgemeinen Folgerungen zu, welcheaus diesem Einzelfall gezogen worden sind, daß nämlich das bimetallistischeSystem, die Freigabe der Prägung beider Edelmetalle uud die gesetzlicheFestlegung eines Wertverhältnisses, an sich und unter allen Umständen

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