Zehntes Kapitel.
Die Durchführung der Reform bis zur Einstellung der
Silververkiinfe.
Erster Abschnitt.
Die Maßregeln der Reichsregierung bis znm Erlaß des Miinz-gesetzes vom ö. Zuli 1873.
Es ist ein charakteristischer Zug der modernen Entwickelung derWährungsverhältnisse, daß die wichtigsten Entscheidungen, welche zu demheutigen Zustande geführt haben, mehr Abwehrmaßregeln waren, alszielbewußte Schritte zur Erreichung positiver Ziele. Die Einstellung derfreien Silberpräguug, durch welche der ganze Umschwung in den Währungs-verhältnissen der Welt hervorgerufen worden ist, war fast in allen Staateneine defensive Maßnahme zur Verhinderung einer unerwünschen Entwicke-lung, durch welche mau entweder einen vorhandenen Goldumlauf schützenoder einer weiteren Ausdehnung des vorhandenen Silberumlaufs vor-beugen wollte.
Während mir gesehen haben, daß England , ohne es zu wissen undzu wollen, durch die Entwickelung der thatsächlichen Verhältnisse zurGoldwährung kam, daß sich in Frankreich und den anderen Staaten desfranzösischen Mttnzsystems gleichfalls durch die automatische Wirkling derVerhältnisse ein gänzlicher Umschwung des thatsächlichen Geldumlaufsvollzog, gilt der deutsche Währungswechsel allgemein als ein von An-fang an mit vollem Bewußtsein planmäßig unternommenes Werk.
Nicht ganz mit Recht! Die ersten für die deutsche Geldreform wich-tigen Maßregeln zeigen gleichfalls jenen charakteristischen defensiven Zug.Ehe noch in den maßgebenden Kreisen eine Entscheidung über die künftigedeutsche Währungsverfassuug getroffen war, zu einer Zeit, als noch dieausgesprochene Absicht bestand, eine solche Entscheidung offen zu halten.